Stiller Anwalt der Opfer

Wachwechsel gestern beim Weißen Ring: Der stellvertretende Landesvorsitzende Peter-Jürgen Seeler (Mitte) mit Roland Kaltofen (rechts) und Günter Böhme (links). Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Es hätte nicht viel gefehlt und Roland Kaltofen hätte gestern Nachmittag die Feierstunde zu seiner Verabschiedung verpasst – weil er einen Einsatz hatte, der einmal mehr zeigt, wie wichtig die Organisation ist, der er 24 Jahre im Landkreis Uelzen vorstand. In Holdenstedt feuerte eine Senior auf seine Ehefrau und verpasste sie knapp – um Haaresbreite wäre die 70-Jährige somit Opfer einer Straftat geworden. Und eben für solche Verbrechensopfer engagierte sich Kaltofen 24 Jahre ehrenamtlich, neben seiner Tätigkeit als Spurensicherer bei der Uelzener Polizei. Nach dem Einsatz gab er sein Amt als Leiter der Außenstelle des Weißen Ringes in Uelzen ab.

Nach der Spurensicherung im Holdenstedter Wohnhaus und der erkennungsdienstlichen Behandlung des mutmaßlichen Schützen kam Kaltofen dann doch noch rechtzeitig zu seiner Feierstunde – und fand bewegende Worte. 24 Jahre im Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern zu wirken, habe ihn geprägt und Spuren in seinem Leben hinterlassen, sagte Roland Kaltofen. Er war zur Stelle bei spektakulären Verbrechen wie dem Mord an der damals 18-jährigen Uelzener Schülerin Yasmin Stieler, der nie geklärt wurde und bei der der Weiße Ring den Eltern des Opfers zur Seite stand.

„Meistens aber ging es bei Ihnen nicht darum, die großen Dinge zu tun, sondern den Menschen in der Not zuzuhören“, lobte Stadtrat Jürgen Markwardt, der selbst früher die Uelzener Polizeiwache leitete und Kaltofen noch aus dieser Zeit kannte. Kaltofens Verdienst sei, „dass er den Opfern eine Hand reichte, an der sie sich halten können“, lobte auch der Leiter des Polizeikommissariats, Dieter Klingforth.

Der Nachfolger, den der stellvertretende Landesvorsitzende des Weißen Rings, Peter-Jürgen Seeler, in der Feierstunde vorstellte, ist ein gestandener Polizeibeamter: Günter Böhme leitet eine Dienstschicht und war früher bei der Bereitschaftspolizei tätig. Er wünschte sich in seiner Antrittsrede die Unterstützung von Stadt und Landkreis.

Zu tun gibt es für den Weißen Ring auch in Uelzen genug. Noch während der Feierstunde wurde eine Streife zum Schnellenmarkt geschickt – von dort war der Wache ein weiterer Fall von häuslicher Gewalt gemeldet worden.

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare