Corona: Seminar-Betrieb liegt brach / Kult-Projekt eingestellt

Stille Zeiten an der Woltersburger Mühle

Die Woltersburger Mühle mit den Gästehäusern wird für gewöhnlich von kirchlichen Gruppen und Chören für Seminare genutzt. Doch die Corona-Pandemie sorgt für Stornierungen.
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Die Woltersburger Mühle mit den Gästehäusern wird für gewöhnlich von kirchlichen Gruppen und Chören für Seminare genutzt. Doch die Corona-Pandemie sorgt für Stornierungen.

Uelzen-Woltersburg – Die Magnettafel an der Wand hilft dem Team der Woltersburger Mühle dabei, den Überblick zu behalten.

Welche Gruppen nutzen gerade die Seminarräume? Wie viele Personen sind in den Gästehäusern auf dem Gelände untergebracht? Auf der Tafel ist aktuell keine einzige Notiz zu entdecken. Die Corona-Pandemie setzt dem Verein „Woltersburger Mühle“ mit seinem Seminar- und Gastrobetrieb zu. „Wir haben nur noch Stornierungen“, sagt Gerard Minnaard vom Verein.

In den Jahren 2008 bis 2012 ist die Woltersburger Mühle komplett saniert worden – seitdem laufen dort Projekte mit und für Arbeitslose. Entstanden ist aber auch der Seminar- und Tagungsbereich mit Gastronomie. Viele kirchliche Gruppen nutzen laut Minnaard das Angebot. „Wir haben aber auch Chöre aus Hannover und Hamburg zu Gast.“ Die 40 Betten sind für gewöhnlich an den Wochenenden fast alle belegt, wie Minnaard ausführt. Unter der Woche nutzen kleinere Gruppen die Woltersburger Mühle für Tagesveranstaltungen. All das, so Minnaard, liege zurzeit brach – „und ich fürchte, dass es bis Sommer 2021 nicht wesentlich besser wird.“

Der Einbruch kam mit dem Lockdown im Frühjahr. Im Sommer beherbergte die Mühle dann wieder vereinzelt kleinere Gruppen – ein Hoffnungsschimmer. Aber auch dies ist inzwischen wieder Geschichte mit dem angebrochenen Herbst und zuletzt stark angestiegenen Infektionszahlen in Deutschland.

Sechs Menschen beschäftigt der Verein. Mit Kurzarbeit behilft er sich, er lebt von Reserven und Spenden, die ihn erreichen – „im Moment leben wir noch“, so Minnaard.

Der Verein musste aber bereits reagieren. Die Begegnungsstätte „Kult“ an der Schuhstraße in Uelzen für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ist geschlossen. Der Mietvertrag wurde gekündigt. „Bei einem Verlust von 7000 Euro haben wir die Reißleine ziehen müssen“, sagt Minnaard.

Der angebotene Sprachunterricht für Migranten kann aber weiterlaufen – in Räumen, die der Verein für seine Arbeitslosenprojekte an der Karlstraße besitzt. „Die gehören uns, da haben wir nicht so die Ausgaben.“

Minnaard will eines auf keinen Fall: Jammern. Menschen auf der Welt gehe es bedeutend schlechter. „Es gibt schon viele Jahre viele Krisen“, so Gerard Minnaard, der auch Theologe ist. Was ihn aber umtreibt: Ängste der Menschen würden zunehmen und Wut mache sich breit.

Während Krisen wie Kriege und Nöte sonst weit entfernt gewesen seien, würden die Menschen nun auch hierzulande zu spüren bekommen, was eine Krisenlage bedeute. Daraus könne Verständnis für einander erwachsen. VON NORMAN REUTER

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