Nach wie vor hohe Zahlen an Selbstanzeigen

Uelzens Steuersünder in Sorge: Betrüger in allen Gehaltsklassen

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Der Kauf von CDs mit Kontodaten schreckt immer wieder Steuersünder auf.

Uelzen/Landkreis. Der frühere FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist Deutschlands prominentester Steuersünder. Seine Millionen-Vergehen, die 2013 bekannt wurden, haben die Menschen aufgeschreckt.

Seitdem ist die Zahl der Selbstanzeigen, mit denen die Steuersünder versuchen, einer Strafverfolgung zu entgehen, deutlich gestiegen. Und diese Zahl bewegt sich damit nach wie vor auf hohem Niveau, wie das niedersächsische Finanzministerium mitteilt. Im Land habe es im zurückliegenden Jahr 2381 Selbstanzeigen gegeben, so die Auskunft aus Hannover. Zum Vergleich: In den Jahren vor 2013 seien lediglich bis zu 1200 Anzeigen registriert worden, so Pressesprecherin Anja Tiede im AZ-Gespräch.

Im Landkreis Uelzen wurden im vergangenen Jahr 25 Steuersünder beim Finanzamt vorstellig oder beauftragten Steuerberater, um eine Selbstanzeige aufzugeben. Gut die Hälfte der Fälle von 2014, als es 40 gegeben hatte.

Von den vorgestellten Zahlen für Uelzen dürfe man sich nicht täuschen lassen, sagt Werner Timm. Im Steuerberaterverband Niedersachsen/Sachsen-Anhalt ist er Vorsitzender der Uelzener Ortsgruppe. Timm sagt: „Das Thema Sebstanzeige ist nach wie vor aktuell. Es werden immer wieder Fälle bearbeitet und noch nicht jeder, der Steuern hinterzogen hat, hat sich auch schon gemeldet.“

Anja Tiede verweist auf strengere Gesetze, die zu Beginn des vergangenen Jahres in Kraft traten. Demnach ist es für Steuerbetrüger deutlich teurer geworden, straffrei davonzukommen. Steuerbetrug ist nur noch bis zu einer hinterzogenen Summe von 25 000 Euro straffrei. Bei höheren Beträgen wird von einer Strafverfolgung nur noch gegen Zahlung eines kräftigen Strafzuschlags abgesehen. „Dieser Änderung wollten viele noch zuvorkommen, weshalb 2014 ein Ausnahmejahr bei den Selbstanzeigen war“, so Tiede.

Wenn sich Steuersünder zu einer Selbstanzeige entschließen, dann ist ihr erster Weg zu einem Steuerberater. So weiß Timm, dass vor allem Meldungen über gekaufte Steuer-CDs die Menschen dazu bewegen, ihre Vergehen offenzulegen. Erst Ende Oktober erwarb Nordrhein-Westfalen einen Datenträger mit Namen von Konto-Inhabern bei Luxemburger Banken. Wurden die dort geparkten Gelder den Finanzämtern gemeldet, droht keine Gefahr. Allzuoft stehen aber bei Timm oder seinen Kollegen Menschen mit hochrotem Kopf vor der Tür.

Dabei würden, so die Erfahrungen von Timm, nicht nur hohe Gehälter zu einer Steuerhinterziehung animieren: „Bei Steuerbetrug geht es querbeet durch die Gesellschaft. So mancher hat sich das hinterzogene Geld vom Mund abgespart.“

Von Norman Reuter

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