Zahl der Selbstanzeigen im Kreis Uelzen sprunghaft gestiegen

Steuersünder in Angst

Uelzen/Landkreis. Die Verurteilung von Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung lässt offenbar auch bei Steuersündern im Kreis Uelzen die Alarmglocken schrillen.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2014 wurden bereits 35 entsprechende Selbstanzeigen beim Finanzamt Uelzen eingereicht. Das sagte Detlef Huhs, Sprecher der Oberfinanzdirektion Niedersachsen, gestern auf AZ-Anfrage. Im gesamten Vorjahr verzeichnete das Finanzamt Uelzen 46 Selbstanzeigen. Wird die Zahl des ersten Halbjahres 2014 auf zwölf Monate hochgerechnet, ergibt sich ein Anstieg um etwa 52 Prozent.

Damit liegt das hiesige Finanzamt aber noch unter dem diesjährigen Trend in Niedersachsen. Landesweit zeigten sich bis Ende Juni insgesamt 2218 Bürger bei den Finanzämtern wegen Steuerhinterziehung an. Im selben Zeitraum 2013 waren es 1103 Selbstanzeigen – bis zum Jahresende erhöhte sich diese Zahl auf 2862.

„Das Entdeckungsrisiko ist deutlich gestiegen“, meint Behördensprecher Huhs. Deshalb hätten sich wohl mehr Steuersünder dazu durchgerungen, „reinen Tisch“ zu machen. Über die genauen Ursachen des sprunghaften Anstiegs gebe es aber nur Vermutungen. „Das hängt sicher mit dem Ankauf von Steuerdaten aus dem Ausland zusammen“, glaubt Huhs.

Auch die Berichterstattung über prominente Steuersünder – außer Uli Hoeneß hatte auch die Publizistin Alice Schwarzer Steuer-Versäumnisse zugegeben – hätten dazu beigetragen, dass immer mehr Selbstanzeigen eingegangen seien. Ein weiterer möglicher Grund sei das gescheiterte Steuerabkommen mit der Schweiz, mutmaßt Huhs. Über die Gesamthöhe der angezeigten Steuerschuld im Kreis Uelzen kann er aber noch keine Angaben machen. Die Summe stehe erst nach den einzelnen Überprüfungen durch das Finanzamt fest.

Dass eine Selbstanzeige nicht automatisch strafbefreiend ist, beweist das Beispiel Hoeneß. Nur wenn das Vergehen vollständig und rechtzeitig vor der Entdeckung gemeldet wird und die hinterzogene Summe – mit Strafzuschlag – innerhalb einer Frist nachgezahlt wird, können Steuersünder straffrei davonkommen.

Von Bernd Schossadowski

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare