Amerikanischer Songwriter Clint Ivie lebt und singt nun in Uelzen / Ungewöhnliche Liebesgeschichte

Er hat stets Melodien im Kopf

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Clint und Yasemin Ivie lernten sich in Ecuador kennen. Nun haben sie ihre Zelte in Uelzen aufgeschlagen – hier schreibt und singt nun der 46-Jährige seine Lieder. 

Uelzen. Clint Ivie hat das Plektrum immer griffbereit. Das Plättchen für die Gitarre steckt in seiner Hosentasche. So muss er nicht suchen, wenn er zum Instrument greifen will. Und er will oft. „Melodien sind“, so sagt er, „stets in meinem Kopf.“

Seit frühster Kindheit spielt, singt und textet der US-Amerikaner, der seit wenigen Monaten in Uelzen lebt. Die Liebe hat ihn in die Heide geführt – die Geschichte dazu ist so unglaublich, dass sie Stoff für ein Lied wäre, wenn nicht sogar für einen Roman. Aber zunächst soll es um den Musiker Clint Ivie gehen.

Um den Hals des 46-Jährigen hängt eine Kette mit einem kleinen Elefanten. Der Elefant war das Emblem der Band „Sol Junky“, dessen Bandleader er lange Jahre war und mit der er durch die Staaten tourte. Ein Elefant lege viele Kilometer bis zu einer Wasserstelle zurück, sagt Ivie. Nicht anders verhalte es sich in der Musik – es sei ein langer Weg bis zu einem neuen Lied.

Helle funkelnde Augen prägen sein Gesicht; graue Strähnen ziehen sich durch den Vollbart. Auf dem Kopf trägt er eine Schirmmütze. So kennen ihn auch die Uelzener bereits von Konzerten in der Region oder aus einem Videoclip. Ivie singt darin „Stille Nacht“ in einer englischen Fassung, dazu wandert eine Nikolausmütze von Uelzener zu Uelzener, die, sobald sie diese tragen, tanzen. Mit Karan Pathak erstellt der Musiker das Video, das in Windeseile im Netz geteilt wird, via WhatsApp auf Handys landet – es ist ein musikalisches Weihnachtsgeschenk an die Uelzener.

Mal mit rauchiger, mal mit sanfter Stimme ist Ivie nicht nur in „Silent Night“ zu hören. Eine Mischung aus Country, Blues, Rock spielt er, singt er. – „Fast ausschließlich eigene Kompositionen“, wie Ivie erklärt, der von sich sagt, er habe keine besonders glückliche Kindheit in seiner Heimat Atlanta gehabt; als Junge verbringt er viel Zeit im Zimmer, beginnt sich für Musik zu interessieren – Schlagzeug, Gitarre, Klavier. Mit einer ersten Band schafft er es, einen Vertrag bei Sony zu bekommen. Mit seiner späteren Band „Sol Junky“ tritt er im Vorprogramm bei Konzerten von John Mayer, Lady Antebellum oder Citizen Cope auf. Nachts macht er Musik, tagsüber arbeitet Clint Ivie – bis er zu hören bekommt, dass er Lungenkrebs haben soll.

Als es ihm immer schlechter geht, sucht Ivie sein Heil in alternativen Therapiemethoden in Ecuador. Dort lernt er seine heutige Frau kennen, mit der jetzt in Uelzen lebt. Sie ist in der Hansestadt groß geworden, wenngleich ihre Wurzeln in der Türkei liegen. Die Begegnung ist eine, wie sie das Leben schreibt: Er auf der Suche nach Heilung des Krebses in Ecuador; sie als Zahntechnikerin in einem Missionszentrum des Landes tätig, um wieder Fuß zu fassen, nachdem ihr erster Mann in jungen Jahren an Krebs verstarb. Yasemin trifft Clint Ivie 2015 bei einem seiner Auftritte, die er trotz Krankheit nicht lassen kann.

Fünf Stunden Fahrt nimmt sie an den Wochenenden in Kauf, um ihn immer wieder zu hören. Drei, vier, fünf Mal, dann „hat´s richtig reingeknallt“, erzählt Yasemin Ivie.

Als Clint Ivie ihr erzählt, dass er an Krebs erkrankt sei, hadert sie. Noch einmal so schwere Stunden erleben wie mit ihrem erkrankten ersten Mann?

Es gehe ihm inzwischen wieder gut, so Clint Ivie heute. Der Krebs sei besiegt. Seine Frau Yasemin sagt: „Es war, als ob uns das Leben auf diesen Weg geführt hat – dass man bis ans Ende der Welt reist, damit beide glücklich werden.“ Jetzt haben sie ihren Lebensmittelpunkt in Uelzen eingerichtet. Und Clint Ivie hat Pläne.

Mit Musikern aus der Region hat er eine neue Band gegründet, er will 2018 durch Deutschland touren. Wer seine Musik erleben will, hat bei Konzerten im April in Uelzen dazu die Chance. Auch beim Weinfest werde er auftreten. Näheres wie auch Musik von ihm sind über seinen Facebook-Auftritt abzurufen. Und vielleicht teilen die Uelzener bald wieder auch ein Uelzen-Video mit dem Sänger auf ihren Handys. Es sei etwas geplant, sagt Clint Ivie.

Von Norman Reuter

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