Das Wort zum Sonntag

Sternstunden

Jetzt funkeln die Sterne wieder überall, drinnen und draußen, in allen möglichen und unmöglichen Weisen. Sind sie nur Dekoration und Werbung, die die Kassen klingeln lassen und den Blick zu den Himmelssternen verhindern? Das ist sicher oft so.

Gleichzeitig wecken sie Kindheitserinnerungen; Sternstunden der Kinderzeit kommen mir in den Sinn. Auch ich hänge Sterne auf und freue mich, dass der große Herrnhuter Stern in St. Marien gegenüber wieder für so viele Menschen leuchtet.

Spiegelt sich in unseren Sternen, die wir aufhängen, nicht unsere Sehnsucht nach nachhaltigen Sternstunden? Zeugen sie nicht auch von einer geheimen Suche nach einem Stern, der das Dunkle unseres Lebens und unserer Welt durchdringt?

Der die Hoffnung auf Frieden, auf Gerechtigkeit, auf die Bewahrung dieser Erde und aller, die darauf wohnen, wieder näher rücken lässt. Der uns Orientierung gibt in wichtigen Fragen unseres persönlichen Lebens wie auch unserer Gesellschaft?

Sternstunden unterscheiden sich deutlich von den normalen Stunden eines Tages oder Jahres. In ihnen passiert etwas, das uns berührt, das Sinn erkennen lässt und unser Leben reicher macht.

Es können sehr persönliche Erlebnisse sein wie die Geburt eines Kindes, die Genesung nach schwerer Erkrankung oder eine ermutigende Begegnung. Die friedliche Revolution vor 25 Jahren mit Kerzen und Gebeten gehört dazu wie jede Überwindung von Unrecht, Gewalt und Hass. Solch Sternstunden sind ein Geschenk. Sie setzen allerdings unsere Bereitschaft voraus, unserer Sehnsucht zu folgen und bereit und offen zu sein zum Empfang.

Die Adventszeit lädt uns ein, Unwichtiges loszulassen und auf das Wesentliche zu achten. Dabei können wir entdecken, dass die Sternstunden unseres Lebens ihren Glanz von einem anderen Stern haben: dass sie mitten in unserem Leben, in dieser Welt etwas von Gottes Verheißung spüren lassen, von seinem Frieden, seiner Gerechtigkeit, seiner Liebe und Fürsorge für uns und seine ganze geschundene Schöpfung. Davon zehren wir weit über jede Sternstunde hinaus.

Birgit Hagen ist Pastorin am Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen und an St. Marien Uelzen.

Von Birgit Hagen

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