Serie „Schätze oder verlorene Plätze?“ – Der Ilkenberg / Um die Anhöhe ragen sich Geschichten

Teil 3: Ein Steinkreis, das Kreuz und der Teufel

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Zwei Steine am Fuß des Ilkenbergs bei Klein Ellenberg bilden eine Art Eingangspforte, von der aus ein Pfad auf die Anhöhe führt. Um den Ort ragen sich Geschichten.

Klein Ellenberg. Der Teufel steht etwas abseits. Im Sonnenlicht ist seine Fratze gut zu erkennen. Seine Blicke sind auf einen Steinkreis gerichtet. Auf einer Anhöhe bei Klein Ellenberg bietet sich einem eine eigenwillige Szenerie.

Die Menschen in der Umgebung kennen diesen markanten Geländepunkt als den Ilkenberg. Um ihn ragen sich Geschichten.

Für den Kreisarchäologen Fred Mahler ist klar: „Die Geschichten um den Ilkenberg sind Legenden, die sich verselbstständigt haben.“

Von einer heidnischen Kultstätte, die es hier gegeben haben soll, ist die Rede. Später sei auch ein christlicher Altar dort zu entdecken gewesen. Das macht die Anhöhe für die einen zu einem besonderen Platz. Andere sehen in ihm ein Beispiel, wie ein Ort geschichtlich und religiös „aufgeladen“ wird, ohne dass es nennenswerte Belege für dessen besondere Nutzung gibt. Zu letzteren Gruppe zählt auch Kreisarchäologe Fred Mahler. Er sagt: „Die Geschichten um den Ilkenberg sind Legenden, die sich verselbstständigt haben.“

Der „Düfelstein“ – der Teufelsstein – steht etwas abseits vom Steinkreis.

Ein kleiner Pfad führt die Anhöhe hinauf, an dessen Anfang zwei Steine eine Art Eingangspforte bilden. Oben angekommen, ist der geschaffene Steinkreis zu entdecken. Eine gesetzte Steinplatte zeigt das Kreuz als christliches Symbol, das an die christliche Nutzung des Bergs erinnern soll. In wenigen Metern Entfernung ist noch der Teufelsstein zu sehen, in den Augen und scharfe Zähne getrieben wurden. In der Verlängerung der Achse von Teufelsstein und Kreuzplatte ist in gut zwei Kilometer Entfernung der Ostedter Kirchturm zu sehen.

Wer hat diese Stätte geschaffen? Und wann? Die Antworten darauf sind am Ilkenberg auf einer Infotafel nachzulesen – und recht unspektakulär. Der Steinkreis ist gerade einmal knapp 22 Jahre alt, geschaffen wurde er vom Suhlendorfer Herbert Schulze in Zusammenarbeit mit anderen Bürgern. Für sie war klar: Die Anhöhe ist nicht nur eine geologische Besonderheit. Es ist ein geschichtlich besonderer Ort.

Eine Radtour oder eine Wanderung zum Ilkenberg bietet sich an: Wer den Weg von Klein Ellenberg nach Groß Ellenberg nutzt, kommt an ihm vorbei.

Es entsteht der Steinkreis. Herangezogen werden seinerzeit Aussagen des Heimatforschers Adolf Bäthge, der angibt, dass auf dem Ilkenberg einst eine Altaranlage der Germanen zu finden gewesen sein soll. Noch bis ins Mittelalter hinein habe es dort auch Leichenverbrennungen gegeben. Warum aber ausgerechnet dort? Für Schulze hat der Ilkenberg zu Kulthandlungen eingeladen, weil an dieser Stelle „starke Erdstrahlen“ nachgewiesen wurden, wie er auch in einem Aufsatz zum Berg in der Suhlendorfer Ortschronik erklärt. Für Fred Mahler fällt das alles in den Bereich des Aberglaubens.

Archäologische Funde für eine Kultstätte, auch für eine spätere christliche Nutzung mit Altar, gebe es nicht. Lediglich Funde aus dem Jahr 1938 an der nördlichen Seite deuteten darauf hin, dass in der Zeit um 700 vor Christus die Anhöhe für Urnenbeisetzungen genutzt wurde. Für Mahler ist klar: „Hier wurde mit dem Steinkreis nicht etwas rekonstruiert, sondern konstruiert.“

Also alles nur Humbug? Längst hat der Berg mit seiner ihm zugeschriebenen geschichtlichen und religiösen Bedeutung Eingang in unsere Lebenswirklichkeit gefunden. So wird Urlaubern beispielsweise im Internet der Ilkenberg als „vorchristliche Kultstätte“ als lohnenswertes Ausflugsziel schmackhaft gemacht. Und bei der Recherchetour der AZ auf der An- höhe deutete eine frische Feuerstelle auf eine aktuelle Nutzung hin. Wer sucht diese Stelle bei Nacht auf?

Für Fred Mahler hält der Ort bei allen Zweifeln zu seiner Geschichte durchaus etwas Magisches bereit. „Es gibt eine gewisse Ortsmagie durch die Aussicht“, sagt er. Von der Anhöhe aus bietet sich jedem Besucher ein herrlicher Anblick in die Landschaft; im Sommer auf goldene Getreidefelder und grüne Bäume.

Dem Teufel entgeht dieser Blick. Er schaut in die falsche Richtung.

Von Norman Reuter

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Auf einen Blick

Der Ilkenberg

Alter: zwischen 120.000 und 240.000 Jahre

Höhe: 84,8 über NN

Lage: Im Dreieck zwischen Suhlendorf, Wellendorf und Ostedt; die nächsten Ortschaften sind Klein Ellenberg, Groß Ellenberg und Gavendorf.

Erreichbarkeit: Der Ilkenberg wird im Internet als Ausflugsziel in der Heide vorgeschlagen. Eine Wanderung bietet sich vom Parkplatz des Suhlendorfer Handwerksmuseums an. Auf der schmalen Straße von Groß Ellenberg nach Klein Ellenberg geht ein Sandweg entlang, der zum Ilkenberg führt. Die Stätte darf nicht verändert werden! Die Eigentumsverhältnisse sind zu beachten.

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