Kommentar zur Sperrung der Ortsumgehung Richtung Süden und weiteren Verkehrseinschränkungen

Stauwahnsinn mit Ansage

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(Symbolbild)                              

Die Schlagzeile in der Lüneburger Landeszeitung von Dienstag dieser Woche sagte schon alles: „Stauwahnsinn rund um Lüneburg“, titelten die Kollegen aus der Salzstadt. Und fassten mit diesen vier Worten ein Chaos zusammen, das die Landesstraßenbehörde innerhalb weniger Stunden angerichtet hatte.

Die Ostumgehung wurde mal eben in Richtung Süden für 14 Tage gesperrt, der Verkehr im gesamten Stadtgebiet und auch auf der Autobahn 39 kam zum Erliegen. Lastwagen aus ganz Europa quälten sich durch die Innenstadt, dort waren Ampelschaltungen nicht angepasst, kurzum: Es ging nichts mehr.

Wer sieht, was in diesen Tagen los ist in Lüneburg, der bekommt schon mal einen Vorgeschmack auf das, was den Menschen in Stadt und Kreis Uelzen ab dem 9. April blüht. Denn dann wird dieselbe „Landesbehörde für Straßenbau und Straßenverkehr“ auch wieder hier im Kreis loslegen. Und Erfahrungen aus den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass diese Behörde wohl nicht in der Lage ist, größere Baumaßnahmen ohne Chaos über die Bühne zu bringen.

Ein Beispiel ist die jüngste Sanierung der Bundesstraße 4 zwischen Tätendorf-Eppensen und Uelzen. Eine monatelange Vollsperrung, schlecht ausgeschilderte Umleitungsstrecken und immer wieder erneute Verlängerungen der Vollsperrungen, die zum Schluss lieber gar nicht erst mehr angekündigt wurden. Manch Geschäftsmann an der gesperrten Strecke trieb das fast in den Ruin – in der Behörde nahm man es mit Achselzucken zur Kenntnis.

Es ist ein Phänomen, dass die Straßenplaner es nicht schaffen, eine Umleitungsstrecke professionell einzurichten. Denn die Ankündigungen der nächsten Sperrung ab dem 9. April im Kreis Uelzen lassen wieder Schlimmes befürchten. Die südliche Stadtumgehung wird bis in den Juni saniert, der Verkehr in Richtung Norden über Bokel und Wieren umgeleitet. Richtung Süden geht es über den Ostring, für Pkws weiter durch Holdenstedt, für Lastwagen über Hansen und Klein Süstedt. Soweit die Theorie.

Man mag nicht glauben, dass die Planer diese Strecken selber einmal abgefahren haben. Denn sonst wüssten sie, dass sie erneut Chaos produzieren. Das beginnt beim Bahnübergang von Wieren, vor dem es schon jetzt lange Schlangen gibt, auch die Ampelphasen auf dem Ostring werden lange Staus zwangsläufig zur Folge haben. Und die Bewohner der vielen Ortschaften können sich schon mal warm anziehen, wenn Lastwagen wochenlang durch ihre Dörfer donnern.

Die Rituale nach dem ersten Tag der Vollsperrung sind immer dieselben: Die Behörde beteuert, dass das Chaos nicht absehbar war, dass man nachbessern werde, und, und, und ... Und zuletzt wird die Baumaßnahme verlängert.

Doch nicht immer funktionieren diese Reflexe: Nach der Vollsperrung der Lüneburger Stadtumgehung trafen Proteste gegen das angerichtete Chaos die Behörde am Montag offenbar mit so einer Wucht, dass selbst abgebrühte Sachbearbeiter zu drastischen Gegenmaßnahmen griffen: Die für zwei Wochen geplante Vollsperrung, so hieß es schon am ersten Tag, könne wohl auf vier (!) Tage reduziert werden. Man müsse ja nicht auch Restarbeiten bei Vollsperrung durchführen.

Für diese Erkenntnis war allerdings ein regelrechter Shit-Storm nötig, bei dem im Netz auch die Durchwahl des Behördenleiters veröffentlicht wurde. Da kann man nur sagen: Willkommen im Leben!

Von Thomas Mitzlaff

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