Viele Bürger können sich mit den verkehrberuhigten Marktstraßen nicht anfreunden

Staus und Frust rund um die Kübel

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Nur wenige Radfahrer auf den Marktstraßen halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 km/h. Doch auch die Hindernisse aus Blumenkübeln geraten zunehmend in die Kritik.

Uelzen. So richtig weiß der Autofahrer mit Euskirchener Kennzeichen wohl nicht, worauf er sich gerade eingelassen hat. Er stoppt seinen Audi an den Blumenkübeln vor dem Alten Rathaus und will von der Lüneburger nach links in die Gudesstraße abbiegen.

Doch das ist gar nicht so einfach, denn auch der Uelzener VW-Fahrer, der im selben Moment aus der Veerßer Straße mit Ziel Lüneburger Straße kommt, wirkt ratlos. Fast zehn Sekunden bleiben beide Autos auf der Kreuzung stehen. Keiner traut sich zu fahren, weil er nicht weiß, wer Vorfahrt hat. Es ist eine typische Szene, die sich gestern Mittag auf den zu verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen umgebauten Marktstraßen abspielt.

Der Verkehr im Uelzener Zentrum stockt unübersehbar. Die Blumenkübel auf den Marktstraßen und die durchgängige Beschränkung auf Tempo 10 verursachen immer wieder Staus und quälenden Stop- und Go-Verkehr im ersten oder zweiten Gang. Und das führt bei vielen Menschen zu Frust.

„Diese Kübel sind totaler Schwachsinn“, findet beispielsweise Jill Napierala. Die junge Frau sitzt gerade im Eiscafé an der Veerßer Straße. Fast unentwegt schlängeln sich neben ihrem Tisch die Fahrzeuge in beiden Richtungen an den bepflanzten Hindernissen vorbei. Zudem parkt gegenüber ein Lieferwagen und macht die Straße dadurch noch enger. „Hier gibt es viel zu viele Kübel, keiner kommt mehr richtig durch“, kritisiert Jill Napierala, die sich den alten Zustand der Veerßer Straße – Tempo 30 ohne Kübel – herbeisehnt.

Das wünscht sich auch Susanne Tschirner. Sie schiebt nicht nur mächtig Frust, sondern auch ihr Fahrrad über die Veerßer Straße. „Das ist einfach sicherer, als hier zu fahren“, meint sie. Dreimal wäre sie um ein Haar von Autos erwischt worden, als sie an einem der Blumenkübel vorbeiradelte. „Diese Dinger verfluche ich“, sagt Susanne Tschirner. „Wenn‘s geht, meide ich die Veerßer Straße und fahre stattdessen über die Schuhstraße.“ Ohnehin sei es schwierig, sich als Radler sich an Tempo 10 zu halten. „Das ist ja fast Schrittgeschwindigkeit.“ Das dachte sich wohl auch eine Radfahrerin, die gestern Mittag auf der Lüneburger Straße mit 21 km/h unterwegs war. Das zeigte jedenfalls die mobile Messtafel dort an. Ein grüner VW Polo fuhr sogar 29 – fast dreimal so schnell wie erlaubt.

„Verkehrsberuhigung ist ja in Ordnung“, sagt Thorsten Baedorf, Mitarbeiter eines Paketdienstes, der sein Fahrzeug in der Innenstadt geparkt hat. „Aber diese Kübel sind echt nervig. Ohne sie wäre hier alles weitaus einfacher.“

Allerdings ist für Baudezernent Karsten Scheele-Krogull das letzte Wort bei den Kübeln noch nicht gesprochen. „Das ist erstmal nur ein Provisorium. Wir werden die einzelnen Standorte noch einmal hinterfragen“, kündigte er jetzt im Stadtrat an. Die Umbauten seien nur der Einstieg in die Umgestaltung der Marktstraßen. „Wir wollen die Detailplanung bis zum Frühherbst voranbringen“, erklärte er.

Von Bernd Schossadowski

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