27-jähriger Ruder-Trainer soll drei minderjährige Jungen missbraucht haben

Statt Einzeltraining Sex

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Verteidiger Thorsten Heß mit dem angeklagten Ruder-Trainer Andy Z., der sich die Kapuze über den Kopf gezogen hat.

Lüneburg. Nach einer Stunde und zwanzig Minuten ist Schluss: Verteidiger Thorsten Heß erklärt die Richter für befangen. Seit gestern muss sich der 27-jährige Andy Z. vor dem Landgericht Lüneburg wegen schweren Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in insgesamt 70 Fällen verantworten.

Der ehemalige Trainer eines Lüneburger Rudervereins, der jetzt in Kiel lebt, soll seine Position ausgenutzt haben, um intime Beziehungen mit insgesamt drei Opfern im Alter von zwölf bis 14 Jahren anzuknüpfen.

In eine dunkle Kapuzenjacke gehüllt betritt Z. mit seinem Verteidiger Saal 121 des Landgerichts. Staatsanwalt Jochen Kaup schildert, der Angeklagte habe seine Opfer, darunter einen Autisten, überredet, mit in seine Wohnung zu kommen. Mit einem 13-jährigen sei ein Einzel-Training angesetzt worden. Stattdessen sei es zum Angeklagten nach Hause gegangen. „Er setzte ihn moralisch unter Druck, erfand eine Krebserkrankung, und drohte mit Suizid“, berichtet Kaup.

Ein Zwölfjähriger habe den Angeklagten in den Finger gebissen, als er sich seiner Schamgegend näherte, so dass er, obwohl der Mann versucht habe, ihn festzuhalten, aus der Wohnung flüchten konnte.

Die angeklagten Vorfälle sollen sich in der Zeit von April 2012 bis Oktober 2014 ereignet haben. Auch im Verein Napoleonik – Feldbataillon Lauenburg, das sich Gefechtsnachstellungen in historischen Uniformen verschrieben hat, soll Z. sexuelle Kontakte zu Minderjährigen aufgenommen haben. Auch hier sei ein Junge in seinem Bett gelandet. „Wobei, wie Staatsanwalt Kaup hinzufügt, „dieser die Tat mit einem Smartphone aufzeichnete.“

Das im vorigen Jahr eröffnete Verfahren gegen Z. wurde im Juli wegen Arbeitsüberlastung des Landgerichts abgebrochen. Verteidiger Heß erklärt die Richter um Vorsitzende Sabine Philipp für voreingenommen, weil sie von einem größeren Umfang der von Z. bereits gestandenen Taten ausgehe. „Der Angeklagte hat allenfalls zwei Fälle eingeräumt, und zwar einmal oral und einmal anal“, betont Heß.

Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Celle im Juli war Andy Z. fast ein halbes Jahr auf freiem Fuß.

Von Gerhard Sternitzke

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