Workshop mit dem NABU: Erleben nachhaltiger Entwicklung durch ein Insektenhotel

Starke Kinder für große Aufgaben

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Heute lernen, morgen gestalten: Die 6- bis 13-Jährigen bauen in Oldenstadt Insektenhotels.

Uelzen-Oldenstadt.

„Durch entwicklungsangepasste Aktivität Kindern Zusammenhänge zu verdeutlichen, zum Nachdenken anzuregen, so dass daraus ein späteres – wertschätzendes – Handeln entstehen kann, das ist kurz gesagt das Bildungsziel für nachhaltige Entwicklung“, bringt es Waldpädagogin Caroline Rothe auf den Punkt. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist eine Offensive der Vereinten Nationen, die es dem Individuum ermöglichen soll, aktiv an der Analyse und Bewertung von Entwicklungsprozessen mit ökologischer, ökonomischer und sozio-kulturelle Bedeutung teilzuhaben. Auch die Orientierung an Kriterien der Nachhaltigkeit im eigenen Leben und die Befähigung, nachhaltige Entwicklungsprozesse gemeinsam mit anderen lokal wie global in Gang zu setzen. Hinter dieser Weltdekade steckt ein großes theoretisches Konzept.

Das in einem Projekt mit Kindern umzusetzen und – gemäß den zahlreichen Anforderungen, die an BNE-Projekte gestellt werden – Anerkennung zu bekommen, hat sich Waldpädagogin Caroline Rothe zum Ziel gesetzt. Im Rahmen ihrer Ausbildung wurde sie gezielt und umfassend auf dieses Konzept geschult. Wie so was praktisch aussehen kann, konnte in der Naturerlebnisstätte des NABU Uelzen in Oldenstadt beobachtet werden. Zwölf Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 13 Jahren waren an vier Nachmittagen rundherum mit dem Thema Insekten befasst. Jeder fertigte eigenständig ein kleines Insektenhotel, sammelte Baumaterial, erfuhr reichlich über die künftigen Bewohner, ihre Lebensbedingungen und die Zerstörung ihres Lebensraumes und wartet jetzt gespannt zu Hause auf dem Balkon oder im Garten, wann die ersten Gäste kommen. Das wird natürlich genau beobachtet und dokumentiert. „Schau mal“, ermuntert ein Siebenjähriger zum genauen Betrachten, „da oben, in dem Schlitz, können Schmetterlinge rein, und hier in den Röhrchen, Löchern in den Steinen und anderen ,Zimmern’ andere Insekten. Wildbienen, Käfer, Fliegen, Wespen und so. Die vertragen sich auch!“

In einer Art Dienstbesprechung informierte Caroline Rothe die Kinder über die künftigen Bewohner, auch anhand von Fotos und anderen Materialien. So drehte sich das Interesse beispielsweise um die zweifarbige Mauerbiene, die in leeren Schneckenhäusern ihre Nester baut. Trockenes Laubholz, Schilfrohr, alte Ziegel, Lehm und mehr war das Baumaterial und bald war der Umgang mit Schraubenzieher, Bohrer, Säge und anderem Werkzeug den Kindern nach sachgemäßer Einweisung vertraut. Stolz zeigten sie ihr eigenes Hotel und jetzt geht es an die Hausaufgaben im Naturtagebuch. „Dort sollen wir alles aufschreiben und aufzeichnen. Datum, Wetter, Temperatur, Insekten und alles andere“, fasst eine Teilnehmerin zusammen. Bei diesem Projekt kommen in der Tat gleich mehrere Gestaltungskompetenzen zusammen. Rationale, emotionale und auch handlungsbezogene Komponenten und der Erwerb von Urteilsfähigkeit sind zusammengeführt. „Die Kinder sehen die Insekten, was da alles um sie in ihrer Vielfalt herumfliegt und krabbeln, jetzt mit anderen Augen. Sie fühlen sich auch für sie verantwortlich. Mit dem Insektenhotel schaffen sie Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten.“ Sie haben auch gelernt, dass Nahrung und Baumaterial im Umfeld vorhanden sein muss, wenn eine Wildbiene das Hotel annehmen soll. In einer ausgeräumten Landschaft ist die Biene zum Sterben verurteilt. Was das Projekt mit der Waldpädagogin auszeichnet, ist die Beteiligung und Mitbestimmung der Kinder am Bildungsprozess anstelle des Konsums fertiger Bildungsangebote.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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