Prozess gegen Douglas-Bande: U-Häftling möchte prominenten Beistand

Star-Anwalt gewünscht

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az Uelzen/Lüneburg. Gibt einer der prominentesten deutschen Strafverteidiger ein kurzes Gastspiel im Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der so genannten Uelzener Douglas-Bande? Ein mutmaßliches Bande-Mitglied, das derzeit wegen des Verdachts der Schutzgelderpressung in Untersuchungshaft sitzt und als Zeuge aussagen soll, kennt den Staranwalt Uwe Maeffert zwar nicht, wünscht ihn sich aber als Beistand – auf Rat seines eigentlichen Anwalts.

Vor der 1. Großen Jugendkammer am Landgericht müssen sich seit November 2011 die in Untersuchungshaft sitzenden Ismael N. und Robert K. wegen versuchten Totschlags verantworten. Der 19-jährige N. soll am 2. Juli 2011 in Uelzen einem 41 Jahre alten Mann eine Bierflasche gegen den Kopf geschlagen, der gleichaltrige K. dem danach am Boden liegenden Mann ins Gesicht getreten haben.

Die Angeklagten gehören zu einer losen Gruppe von rund einem Dutzend junger Uelzener, die – so sagten es bereits Zeugen aus – immer wieder durch Gewalttaten und Beleidigungen aufgefallen seien. Die Ermittler der Uelzener Polizei nennen sie die „Douglas-Bande“, weil sie sich immer vor der gleichnamigen Parfümerie in der Innenstadt trafen, um dann in wechselnder Besetzung loszuziehen.

Zu dieser Bande zählt auch der 20 Jahre alte Zeuge, der am jüngsten Prozesstag aussagen sollte. Das Problem allerdings ist das Auskunftsverweigerungsrecht: Kann er davon Gebrauch machen? Würde er sich mit seinen Aussagen belasten? Der 20-Jährige sitzt aktuell unter anderem wegen des Vorwurfs der Schutzgelderpressung selbst in U-Haft. Und sein eigener Anwalt Volker König kann ihn im Prozess gegen das Duo nicht beraten, da er mit Robert K. einen der beiden Angeklagten vertritt. Einen Rat allerdings hatte König dennoch für den 20-Jährigen parat: Er könne ja Uwe Maeffert nehmen. Ob der das Mandat übernimmt, ist noch unklar. Maeffert machte Schlagzeilen in spektakulären Gerichtsfällen: Er holte beispielsweise Monika Weimar aus dem Gefängnis, die in erster Instanz wegen der Ermordung ihrer Kinder verurteilt worden war, verteidigte Marianne Bachmeier, die den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschossen hatte, und vertrat die Angeklagten im Prozess um den Polizistenmord von Holzminden.

Der Prozess wird heute, Donnerstag, mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Darunter ist auch eine junge Frau, die aus Angst vor den Familienangehörigen der Angeklagten im Vorfeld darum gebeten hatte, unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen zu dürfen. Das Gericht lehnte dies ab.

Mit den Vorgängen im Umfeld des Prozesses beschäftigt sich heute auch das NDR Fernsehen um 18 und 19.30 Uhr.

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