Noch immer keine öffentlichen Sitzungen zu Seeplänen und Stadtgrün

Uelzens Ilmenausee: Haben sich Führungskräfte im Rathaus längst positioniert?

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Jürgen Markwardt outet sich auf der Homepage des Vereins Ilmenaustadt als Unterstützer – das brachte ihm kritische Fragen im Verwaltungsausschuss ein.

Uelzen. Vom Bauunternehmer bis zum Apotheker, vom Kieferorthopäden bis zum Gastronom, von der Reisekauffrau bis zum Steuerberater – wer auf die Homepage des Vereins „Ilmenaustadt Uelzen e.  V.“ schaut, findet eine schier unendliche Liste an Unterstützern für den Verein.

Sie alle stehen unter den Einleitungssätzen „Sie finden das Konzept Ilmenaustadt Uelzen überzeugend? Dann lassen Sie hier Ihren Namen auf die Unterstützerliste setzen“.

Ein zentrales Projekt des Vereins ist die Schaffung eines rund 2600 Quadratmeter großen Sees mitten in der Stadt. Weite Teile der Uelzener Politik tun sich schwer mit der Frage, ob man für diesen Plan 4,9 Millionen Euro ausgeben soll. Während der Verein hinter den Kulissen ordentlich Druck macht, hat die Politik noch keine öffentliche Diskussion in den dafür vorgesehenen fachlichen Gremien geführt.

Umso größer ist die Irritation in politischen Kreisen, dass sich Führungskräfte im Uelzener Rathaus offenbar längst positioniert haben. So finden sich in der Unterstützerliste für den Verein Ilmenaustadt Uelzen auch Bürgermeister Jürgen Markwardt und der Erste Stadtrat Florian Ebeling. Auch in einem Flyer des Vereins tauchen beide Namen auf.

Markwardt stand dazu dem Verwaltungsausschuss am Montagabend hinter verschlossenen Türen Rede und Antwort. Er unterstütze den Verein, weil er dessen Grundsatzideen für richtig halte, erklärte er gestern auf AZ-Nachfrage. So sei zum Beispiel der Ansatz gut, Uelzen attraktiver für junge Familien zu machen und neue Handlungsstratregien zu entwickeln. Und: „Ich habe mich schon vor meiner Wahl als Privatperson auf die Unterstützerliste setzen lassen und wusste nicht, dass der Verein jetzt dort meine Funktion als Bürgermeister ergänzt hat.“ Dies wolle er wieder streichen lassen. Der Verein kündigte daraufhin gestern an, die Streichung auf der Homepage umgehend vornehmen zu lassen.

Ob das See-Projekt umgesetzt wird, ist derweil nach Markwardts Einschätzung nicht nur eine Frage des politischen Willens, sondern auch der finanziellen Machbarkeit: „Wir diskutieren derzeit viele Großprojekte wie den Parkhausneubau am Bahnhof, den Beitritt zum HVV, den Bau eines Veranstaltungszentrums, die Instandsetzung des Theaters, Straßenbaumaßnahmen... alles wird sicher nicht zu finanzieren sein“, weiß der Bürgermeister. Nächste Hürde ist jetzt erst einmal die Sondersitzung des Verwaltungsausschusses für die Freigabe von 35.000 Euro für das integrierte Stadtentwicklungskonzept noch vor der Sommerpause. Findet das keine Mehrheit, ist wohl das Gesamtprojekt „Zukunft Stadtgrün“ aus Zeitgründen endgültig vom Tisch – ohne eine öffentliche Aussprache.

Von Thomas Mitzlaff

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