Ärzteinitiative macht Massentierhaltung für multiresistente Keime mitverantwortlich

Aus dem Stall auf die Intensivstation

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83 Prozent des Mastgeflügels erhält nach Angaben der Ärzte-Initiative gegen Massentierhaltung Antibiotika. Der Medikamenteneinsatz im Stall sei mitverantwortlich für die zunehmende Zahl multiresistenter Keime.

Varendorf/Uelzen. Die Opfer sind vor allem Menschen, die in der Abwehrkraft geschwächt sind.

Sie sind besonders gefährdet durch antibiotikaresistente Keime (MRSA und ESBL), die unter anderem durch den Medikamenteneinsatz in großen Mastställen entstehen, warnt die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung, die sich heute in Hannover vorstellt. „Dazu zählen ganz Junge und ganz Alte, Frischoperierte und Unfallopfer, Krebs-, Nieren- oder Rheumakranke, Diabetiker und ganz besonders Patienten auf Intensivstationen“, heißt es in einem Positionspapier, das mehrere Hundert Mediziner unterschrieben haben.

„Die multiresistenten Keime kommen über die Kühltheke in Umlauf“, warnt Eckehard Niemann vom Landesnetzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken Niedersachsen. Der Varendorfer hat auch die Ärzteinitiative beraten. Nach deren Angaben erhalten 76 Prozent der Schweine und 83 Prozent des Mastgeflügels Antibiotika. Mit Folgen auch für die Gesundheit der Bevölkerung, wenn Keimstämme Resistenzen ausbilden.

Die Ärzteinitiative warnt auch vor der Belastung im Umfeld der Massentierhaltung: „In der Abluft von Tierställen sind multiresistente Keime noch in einem Kilometer Entfernung nachweisbar. Über die ausgebrachte Gülle werden die Böden kontaminiert. Offene Tiertransporte verbreiten die Keime weitflächig.“

Von Gerhard Sternitzke

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