Zeitreise ins 15. und 16. Jahrhundert

Buntes Treiben auf historischem Handwerkermarkt in Uelzen

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Schmied Aiko-Joshua Höhne arbeitete mit glühenden Eisen.

Uelzen. Ein metallenes Hämmern lässt den prasselnden Regen für einen Moment zum klanglosen Nebenszenario werden:

Die „Salonlöwen und ihre Hupfdohlen“ ließen beim Handwerkermarkt ihre bodenlangen Gewänder über das feuchte Pflaster des Schnellenmarktes schweben.

Wann immer Schmied Aiko-Joshua Höhne zum Hammer greift, drängt sich am Sonnabendvormittag eine Schar buntbeschirmter Passanten um seinen Holzwagen am Uelzener Schnellenmarkt und beobachtet gebannt, wie der junge Mann aus glühendem Eisen geschwungene Haken formt – Schlag für Schlag. So wie am Wochenende könnte es schon im 15. und 16. Jahrhundert in Uelzens einstigem Handelszentrum geklungen haben. Kein Wunder, denn mit dem historischen Markttreiben, dem dritten dieser Art, soll die Geschichte der früheren Handwerkerstadt wieder greifbar gemacht werden.

Und eben hörbar: Während Aiko-Joshua Höhne seine Leidenschaft fürs Handwerk in nützliche Gerätschaften transformiert („Feuer erwärmt nicht nur den Körper, sondern auch den Geist“), schallt gleich nebenan klassische Tanzmusik über den Platz: Die „Salonlöwen und ihre Hupfdohlen“ lassen ihre bodenlangen Gewänder über das feuchte Pflaster schweben. Der Scherenschleifer derweil setzt mit taktvoll wippendem Fuß seinen Schleifstein geräuschvoll in Bewegung.

Scherenschleifer Wolfhard Pohl demonstrierte den Besuchern seine alte Handwerkskunst. Fotos: Petersen

Wer es lieber etwas ruhiger mag, zieht sich unter das Zeltdach der „Kräuterhexe“ zurück: Sylvie Marie Onusseit, so lautet ihr wirklicher Name, braut in ihrer heimischen Produktionsküche Wohltuendes für Haut und Gaumen. Ihre Empfehlung mit Blick in den wolkenverhangenen Himmel: „Glück im Glas“, ein Massage- und Badeöl, das – so verspricht die Expertin – Glückshormone freisetzt. Nichts von alldem, was die Heilkräuter-Frau in winzigen Gläschen feilbietet, ist ohne Wirkung: Melisse und Lavendel für die Entspannung, Lärchenharz zur Schleimlösung, Rosenduft für die Harmonie... Letzterer, verrät Sylvie Marie Onusseit, entpuppt sich in Uelzen überraschend zum Verkaufsschlager

Kräuter-Expertin Sylvie Marie Onusseit präsentierte Wohltuendes für Haut und Gaumen aus heimischer Produktion.

Auf altes, oft schon in Vergessenheit geratenes Handwerk setzt auch Marktbesucher Karsten Willeke – und marschiert vorbei an Korbmachern und Näherinnen zu Scherenschleifer Wolfhard Pohl. Der Handwerker vom Bodensee – Lederschürze, kräftige Arme, die Hände grau vom Schleifen – soll seinen Messern wieder zu mehr Schärfe verhelfen, denn von der altbewährten Technik verspricht sich Willeke vor allem eines: Qualität. Die komme jedoch nicht von ungefähr, erklärt Pohl, der nur widerwillig von seiner Arbeit ablässt. Mit dem rechten Fuß setzt er die schwere Steinplatte im Wasserbad in Bewegung, erzeugt so nach eigenen Angaben 300 bis 500 Watt. Er brauche kein Fitnessprogramm, scherzt er und fügt erklärend hinzu: „Man benötigt mehr als guten Willen, um Stahl in Staub zu verwandeln.“

Von Anna Petersen

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