Ständig auf Empfang ...

. . . ist Uhlenköper, bekommt meistens (fast) alles mit, was um ihn herum geschieht – ob er will oder nicht. Nun gehört die gesunde Neugier zweifelsohne zu seinem Job. Aber manche Dinge, die will er gar nicht wissen. Manche Dinge würde er am liebsten gar nicht hören.

Aber sie springen ihn einfach an. In der Bahn, auf der Straße, in Fluren, im Kaufhaus hört er sie, sieht er sie. Er kann den Informationen nicht entkommen. Weghören geht nicht, seine Öhrchen sind einfach immer aufgestellt und er kann nichts dagegen tun. Sein Blick schweift, egal, wo er ist, und er kann nichts dagegen tun. Merkwürdige Sachen erfährt er dann unfreiwillig, wenn er zum Beispiel wie neulich in der Bahn sitzt. Er versuchte angestrengt, ganz entspannt aus dem Fenster zu gucken, aber mit Entspannung war nichts: Hinter ihm telefonierte jemand und erzählte von Sorgerechtsgeschichten, Vaterschaftsklagen und anderen komplizierten Dingen, und unser Mann dachte nur: Aufhören, bitte aufhören. Neulich hinter ihm in der Schlange an der Kasse: Zwei Backfische tauschen ungeniert und nicht gerade im Flüsterton ihre ersten Liebeserlebnisse aus. . . Hilfe! Oder vor ein paar Tagen am Nachbartisch im Café: Ein Pärchen saß sich wortlos gegenüber, er grimmig, sie ein bisschen verheult, die Stimmung total im Eimer. Warum kann Uhlenköper nicht einfach woanders hingucken in solchen Momenten? Warum muss er diese Dinge immer registrieren? Seine Begleiter bemerken selten das, was er wahrnimmt. Weist er sie darauf hin, kommt oft ein müdes bis verwundertes: „Was du so alles mitkriegst. . . “ Er ist dann immer hin und her gerissen, ob er froh sein sollte, ein aufmerksamer Zeitgenosse zu sein, oder ob er sich ein bisschen mehr Stumpfheit wünschen sollte, der Uhlenköper.

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