Stadtwerke wollen Kritik nicht hören

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Die Stadtwerke Uelzen blocken kritische Stimmen zu ihrem umstrittenen Ukraine-Engagement kategorisch ab: Nachdem schon die Warnungen des Niedersächsischen Steuerzahlerbundes vor einer Millionenpleite mit dem Landwirtschaftsprojekt zurückgewiesen worden waren, lehnt man nun auch das Gesprächsangebot des renommierten Landwirtschaftsexperten Professor Dr. Rolf Kuchenbuch über ein zweifelhaftes Gutachten ab: Man habe keinerlei Grund, an der Expertise der selbst beauftragten „hoch renommierten Wissenschaftler zu zweifeln“ und sehe daher keine Notwendigkeit, in eine Diskussion mit Kuchenbuch einzutreten, teilte Stadtwerke-Sprecher Mirco Pinske mit.

Kuchenbuch hatte Stadtwerken und Gutachtern unentgeltlich ein Fachgespräch angeboten, „da ich mich der Region und ihren steuerzahlenden Menschen verbunden fühle“. Der Professor für Pflanzenernährung an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät Rostock und Direktor der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt Rostock hatte das Gutachten der Stadtwerke über die Erfolgsaussichten des Ukraine-Projektes als Expertise voller Mängel kritisiert. Aufgrund mangelhafter Bodenuntersuchungen lasse sich nicht seriös vorhersagen, welche Erträge auf den Flächen in der Ukraine wirklich erzielt werden können. Die Stadtwerke hatten verkündet, mit 30-prozentigen Ertragssteigerungen aus den roten Zahlen kommen zu wollen. Bis zu 5,5 Millionen Euro dürfen sie in das Projekt stecken, hatte der Aufsichtsrat beschlossen, dem das umstrittene Gutachten Anfang des Jahres vorgelegt worden war. Doch in der Expertise gebe es keine Prognose der tatsächliche zu erwartenden Erträge und wahrscheinlichen Gewinne und nicht einmal eine Risikoabwägung, hatte Kuchenbuch, der als Kapazität auf dem Gebiet der Bodenanalyse gilt, kritisiert.

In Fachkreisen spricht man intern derweil von einem Gefälligkeitsgutachten, das den Stadtwerken von zwei Göttinger Professoren ausgestellt worden sei. Bezahlt wurden sie von der SBE, deren Gesellschafter die Stadtwerke sind und die das Ukraine-Projekt betreibt.

Diese Umstände rufen einmal mehr den Steuerzahlerbund auf den Plan. Er möchte in der nächsten Ausgabe seines Wirtschaftsmagazins erneut über das Ukraine-Projekt berichten und wissen, was das Gutachten, „das auf völlig unzureichenden Bodenproben basieren und in seinem Aussagewert wissenschaftlichen Standards nicht genügen“ soll, die SBE gekostet hat.

Ansonsten sei jetzt der Aufsichtsrat der Stadtwerke gefragt, sagt Steuerzahlerbund-Vorstand Bernhard Zentgraf: „Wenn es begründete Zweifel an der Seriosität und Aussagekraft eines von der SBE-Geschäftsführung in Auftrag gegebenen Gutachtens und daraus möglicherweise getroffenen geschäftspolitischen Entscheidungen des Aufsichtsrates gibt, dann muss der Aufsichtsrat unverzüglich tätig werden“.

Und Grünen-Fraktionsvorsitzende Ariane Schmäschke spricht angesichts der Aussagen Kuchenbuchs von einem „vernichtenden Urteil“. Es sei verantwortungslos gewesen, keinen weiteren Experten angehört zu haben. „Bei diesem Gutachten stand Wunschdenken im Vordergrund, nicht die sachliche und nüchterne Analyse“, so Schmäschke.

Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Daum hatte am Montag gegenüber der AZ erklärt, er gehe davon aus, dass der Verfasser des Gutachtens mit der Kritik konfrontiert werde. Nunmehr teilte Stadtwerke-Sprecher Pinske mit, man sehe in Übereinstimmung mit Daum keine Notwendigkeit, „in eine Methoden- und Verfahrensdiskussion zwischen verschiedenen Wissenschaftlern einzutreten“.

Derweil steht das Thema Ukraine-Projekt nächste Woche überraschend auf der Sitzung des städtischen Verwaltungsausschusses – dabei geht es um das Ausscheiden des Gesellschafters Alensys aus der SBE, der das Unternehmen mit gegründet hatte.

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