VON WOCHE ZU WOCHE: Ein Kommentar von AZ-Redakteur Norman Reuter

Stadtentwicklung in Uelzen: Ein schmaler Grat

Ein Anschluss der Ostseite ans Schienennetz ist über eine vorhandene Eisenbahnbrücke möglich.
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Ein Anschluss der Ostseite ans Schienennetz ist über eine vorhandene Eisenbahnbrücke möglich.

Stadtentwicklung ist ein schmaler Grat, auf dem Verwaltung und Politik in Uelzen wandeln. Diese Wochen belegen es einmal mehr.

Da sind die Pläne für ein Gewerbegebiet auf der Ostseite des Kanals, die in der Diskussion stehen, nachdem sich Verwaltung und Eigentümer bei Kaufverhandlungen nicht einig wurden und die Stadt nun ein kompliziertes Verwaltungsverfahren anschieben will. Die Sorge, sie könnten dabei den Kürzeren ziehen, treibt die Flächeneigentümer um.

Die Stadt argumentiert: Für das Gewerbegebiet gibt es ein öffentliches Interesse. Damit hat sie recht. Denn von Gewerbeansiedlungen profitieren alle Bewohner der Stadt. Gewerbesteuern fließen in die Unterhaltung von Theater und Schwimmbad, in die Grundschulen und in die Grünanlagen-Pflege.

Und bei den Haushaltsberatungen in diesen Wochen für das kommende Jahr, in dem die Gewerbesteuern weitaus weniger sprudeln werden, zeigt sich, warum es sinnvoll ist, weitere Unternehmensansiedlungen zu fördern. Denn es werden, da ein großes Loch in den Finanzen klafft, beispielsweise Bauprojekte an Grundschulen verschoben.

Und erinnert sei daran, welche Folgen es hatte, als Uelzen im Schuldenstrudel steckte und als 2015 ein Einbruch von Gewerbesteuern zu überstehen war. Da wurden Parktickets teurer und Grünanlagen seltener gepflegt – was auch in jenen Ortsräten kritisiert wurde, die sich jetzt beim Thema „Hafen Ost“ in Widerstand üben.

Letztlich hat sich die Stadtpolitik wegen der Finanzen auch vom Schloss Holdenstedt getrennt. Zu teuer waren Unterhaltung und Sanierung, die weiter aus Steuergeldern der Bürger zu finanzieren gewesen wären. Dass nun angesichts der Pläne von Armgard von der Wense, die ein Vorkaufsrecht geltend machen will, das Schloss mithilfe von Bürgerspenden vor den Plänen eines Investors aus Hamburg „gerettet“ werden soll, ist da ein Treppenwitz der Geschichte.

Es gibt also gute Gründe, warum sich Uelzen in der Wirtschaft breit aufstellen und dafür auch die Flächen vorhalten sollte. Diesem Ziel darf aber nicht alles andere untergeordnet werden. Da wird zu Recht in dieser Woche von einem Leser angemerkt, dass Umwelt- und Naturschutz nicht auf dem Altar der Stadtfinanzen geopfert werden dürften.

Nicht zu vergessen ist auch: Die Flächeneigentümer, die Angst haben, beim Thema „Hafen Ost“ überrollt zu werden, sind Bürger, die mit ihren Steuern auch zum Allgemeinwohl beitragen. Auf dem schmalen Grat hat die Politik also ihre Bürger im Blick zu behalten und die Zukunft zu gestalten. Keine leichte Aufgabe – fürwahr!

VON NORMAN REUTER

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