Hinweisschilder im Ort abgeklebt / Holdenstedter verwundert

Stadt zieht bei Schloss Holdenstedt die rote Linie

Das Schild am Kreisel in Holdenstedt, das auf das Schloss hinweist, ist mit orangefarbenen Streifen zugeklebt. Dieses Vorgehen ist einigen Bürgern ein Dorn im Auge, denn das Schloss ist von außen noch zu besichtigen.
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Das Schild am Kreisel in Holdenstedt, das auf das Schloss hinweist, ist mit orangefarbenen Streifen zugeklebt. Dieses Vorgehen ist einigen Bürgern ein Dorn im Auge, denn das Schloss ist von außen noch zu besichtigen.

Uelzen-Holdenstedt – Langsam schiebt das Paar seine Fahrräder durch die Pforte. Einladend sieht es am Schloss Holdenstedt zurzeit allerdings nicht aus. „Betreten auf eigene Gefahr“ steht auf einem Schild geschrieben, das an der Pforte hängt.

„Der Park ist wirklich schön, aber das Gebäude sieht verkommen aus“, meint das Paar.

Verwirrte Besucher und ein leeres Schloss

Ein Gast aus Süddeutschland ist den Schildern und Hinweistafeln gefolgt, die in vielen Teilen des Landkreises stehen. Er ist ein bisschen enttäuscht, als er das leerstehende Holdenstedter Schloss sieht. „Unter Schloss hatte ich mir etwas Anderes vorgestellt“, lacht der Bayer, der im Landkreis unterwegs ist. Auch er hat sich an alten Tafeln und Karten orientiert, auf denen das Schloss Holdenstedt als Ausflugsziel eingezeichnet war.

Das Gebäude hat schon bessere Tage gesehen: Am Schloss hängen Spinnweben, an Fenstern und Wänden bröckelt es. Im hinteren Bereich steht noch ein eingedellter Briefkasten, in den schon lange keine Post mehr eingeworfen wurde. Im ehemaligen Schloss-Café warten noch Stühle und Tische auf Gäste. Ein vergilbtes Schild weist noch auf die Geschichte des Schlosses hin: Ur- und frühgeschichtliche Sammlung im Schloss Holdenstedt. Doch das Museum ist wie der Rest der Anlage Geschichte.

Abgeklebte Hinweisschilder

Am Kreisverkehr in Holdenstedt stehen noch die Schilder, die den Weg zum Schloss weisen: Doch seit Tagen verdecken orangefarbene, gekreuzte Klebestreifen die Schilder. „Es gab wohl eine Beschwerde, dass das Museum gar nicht mehr zu besichtigen sei, aber die Schilder noch darauf hinweisen“, erklärt Herwig Maaß, Vorsitzender des Vereins „Pro Holdenstedt.“ Wer die Schilder nun abgeklebt habe, wisse er aber auch nicht.

Im Schloss-Café stehen noch Tische und Stühle. Gäste waren hier allerdings schon länger nicht mehr.

Es sei ein bisschen traurig, dass Schloss und Gelände aktuell in einem eher vernachlässigten Zustand sind. „Der Verein Pro Holdenstedt hat sich damals dafür eingesetzt, dass das Schloss eine Station des Wassererlebnispfads Hardau von Hösseringen über Holdenstedt nach Uelzen wird“, berichtet Maaß. „Für das gemeinsame Projekt mit der Gemeinde Suderburg wurden EU-Mittel bereitgestellt.“

Der Holdenstedter Rechtsanwalt Christian Teppe moniert, dass die durchgestrichenen Schilder Interessierte von einem Besuch des Parks abhalten könnten. „Das Schloss als Kulturdenkmal könnte ja zumindest von außen besichtigt werden. Doch darauf gibt es keinen Hinweis“, sagt Teppe. Das habe ihn schon sehr gestört.

Als Teil des touristischen Angebotes der Heideregion sei es außerdem schade, dass die Brücken auf der Rückseite des Schlosses in einem schlechten, ungepflegten Zustand seien. „Der Eigentümer habe ein Kulturgut gekauft und zugesagt, dieses öffentlich zugänglich zu halten. Auch die Wahrung der Verkehrssicherheitspflicht der Brücken ist einzuhalten. Es ist die Frage, ob das hier so passiert“, so Teppe weiter. Das historische Holdenstedter Schloss sowie die Parkanlagen gehören dem Hamburger Investor Thies Boysen und seiner Firma, der DRB Immobilien GmbH. Boysen hatte angekündigt, auf dem Gelände Wohn- und Pflegeplätze für Senioren errichten zu wollen. Gleichzeitig verpflichtete er sich vertraglich, den historischen Bau schrittweise zu renovieren.

Wann geht es weiter?

Zum Zeitplan erklärte Boysen im April: „Wir analysieren nun erst mal den Bestand, besprechen uns dann mit den Fachhandwerkern und den zuständigen Behörden über die dringenden baulichen Themen.“ (AZ berichtete).

Das „Rätsel“, wer die Hinweisschilder mit roten Strichen abgeklebt hat, kann Sandy Naake, bei der Hansestadt Uelzen zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, aufklären. Auf Nachfrage erklärt sie schriftlich: „Um darauf hinzuweisen, dass das Schlossgebäude derzeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich beziehungsweise das dortige Museum geschlossen ist, hat die Stadtverwaltung den Auftrag gegeben, dies an den bereits vorhandenen Schildern kenntlich zu machen.“

So wurden zum Beispiel Einzelschilder mit dem Hinweis „Museum“ abgenommen oder der Begriff „Museum“ auf größeren Schildern abgeklebt. Die Klebestreifen können jederzeit wieder rückstandslos entfernt werden, wenn in Absprache mit dem neuen Eigentümer das Schloss auch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist.“

Bis es so weit ist, wird das Schloss-Café in Holdenstedt mit seinen verzierten Tischen und Stühlen noch verwaist bleiben. VON NICOLE LÜTKE

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