Konzept empfiehlt, baufällige Gebäude als letzte Möglichkeit selbst zu sanieren

Die Stadt Uelzen will ihre Ruinen retten

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Fünf Gebäude mit erheblichem Sanierungsbedarf gibt es in der Uelzener Innenstadt – eines davon steht am Schnellenmarkt. Die Stadt soll, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, solche Gebäude kaufen und sanieren, empfiehlt das Rahmenkonzept.

Uelzen. Wie soll die Innenstadt Uelzens in Zukunft aussehen und in welcher Form soll dort zukünftig überhaupt gebaut werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das jetzt den Bürgern und Anliegern vorgestellte städtebaulich-gestalterische Rahmenkonzept.

Solche „Zahnlücken“ in der Bebauung könnten durch Aufstockung der Gebäude gefüllt werden. Fotos: Lohmann

„Das ist der rote Faden für die Zukunft der Innenstadt“, sagte die Geografin Charlotte Koch bei der Vorstellung. Dieser rote Faden sieht auch vor, dass die Hansestadt als letzte Möglichkeit besonders heruntergekommene, denkmalgeschützte Gebäude aufkauft und saniert. „Im Regelfall wird das nicht passieren, aber wo über Jahrzehnte nichts anderes Erfolg hatte, müssen wir handeln, wenn ein denkmalgeschütztes Gebäude zerfällt“, sagte Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull. Von solchen Gebäuden mit erheblichem Sanierungsbedarf gebe es momentan sehr wenige – im Gutachten werden fünf genant. Eines davon befindet sich am Schnellenmarkt. Sollte die Stadt ein Gebäude aufkaufen und sanieren, würde sie genau wie private Eigentümer Mittel aus dem Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ beantragen, das sich primär an die Eigentümer richtet, so Scheele-Krogull. Das letzte Wort vor einem Kauf habe immer der Stadtrat.

Im städtebaulich-gestalterischen Rahmenkonzept wurden jetzt auch konkrete Maßnahmen für die Uelzener Innenstadt definiert. Das Ziel ist, deren Attraktivität zu steigern. So soll die Altstadt als Ort zum Einkaufen, Kultur- erleben und Wohnstandort gestärkt werden.

Typisch für die Uelzener Altstadt sind laut Charlotte Koch zwei- oder dreigeschossige Gebäude. Dabei gebe es aber auch Lücken in der Bebauung oder nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Provisorien, die das Ensemble stören. „Diese ,Zahnlücken‘ im Straßenraum sollten gefüllt werden“, empfiehlt die Expertin. Das könnte etwa durch das Aufstocken der eingeschossigen Gebäude geschehen. Eine weitere Störung im Stadtbild sieht das Gutachten in massiven Baukörpern, die das Stadtbild optisch sprengen. Hier werden Rückbau und Sanierung der Gebäude vorgeschlagen.

Zudem gibt es laut Charlotte Koch viele überformte Fassaden an Gebäuden – das Gutachten zählt insgesamt 85. Als Maßnahme wird hier empfohlen, die oft hinter Verkleidungen versteckte ursprüngliche Fassade wieder freizulegen. Insgesamt verfüge die Uelzener Innenstadt über viele stilprägende Fachwerkfassaden, erklärte die Expertin.

Für alle diese Maßnahmen haben die Eigentümer die Möglichkeit, Fördergelder zu beantragen. Verpflichtet etwas umzusetzen, seien die Eigentümer aber nicht, denn es gelte Bestandsschutz, so Charlotte Koch. Das gilt etwa auch für die Idee, die Attraktivität der Innenhöfe durch Begrünung zu steigern und damit die Wohnqualität insgesamt zu erhöhen.

Das Rahmenkonzept ist gleichzeitig Grundlage für eine mögliche Gestaltungssatzung, die für zukünftige Bauprojekte in der Innenstadt oder bei baulichen Veränderungen verbindliche Vorschriften enthalten könnte.

Von Lars Lohmann

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