Dat Staatsbegräbnis

Dütt und datt up Platt.

Von Carl Friedrich Bautsch

Angesehne Personen in Bämsen wärn vör 100 Johr de Bürgermeister und de Schooldirektor. Gäw aber ok poor Respektspersonen de, wenn man dat so will, uniformiert wärn. Dat wärn de Gendarm, also de Polizist. Har mal eener wat utfräten, denn wüß de Gendarm genau wo he hen möß. He kenn all sien „Pappenheimer.“

Alle Lüüd güngen Sündags noch na Keerk. De Pastor har je mit dan Talar ok so wat an as wie eene Uniform. De Gendarm und de Pastor, Plattdeutsch beteekt as „Himmelsgendarm,“ harn alles in Griff.

Dree Uniformierte, de Postmeister, de Bahnhofsvorsteher und de Förster, wärn ok angesehene Lüüd in Uniform.

Wenn de Zug aff föhrn söll, höl de Bahnhofsvorsteher mit de rode Mütz de Kell hoch, löt dan Zug losföhrn.

Bahnhofsvorsteher, de Postmeister, de Pastor, de Föster, Handwarker und Buurn säten regelmäßig Sünnabends an Stammdisch in Hotel Stadt Hamburg tosamen.

Veel Freude an Gorten har de Bahnhofsvorsteher, aber noch mehr an sien treuen Hund Rex. Rex torkelte ümmer achteran bi em. Blot in Hotel Stadt Hamburg dörf he nich rin. Up een Schild stünd „Hunde sind beim Hausdiener abzugeben“. Dat wüß de Hund genau und güng alleen na Huus.

Ein Plattdeutsche „Snack“ seggt: „Nix up de Welt bliwt ewig, sülmst een hübje, junge Deern, wenn se old is, ward mal schäbig.“

Rex har de schönsten Jahre achter sik, de Hoor wärn struppig und hören könn he kuum noch. Eenes Daages wär he mausedot. Dat wär een hatten Schlag vör dan Bahnmeister. Mit Tranen in de Oogen hett he em in Gorten inkuhlt.

Sien Maagd schick he hen to sien Freund, dan Pastor, ob de nich mal poor Wöör an Grab seggen könn.

De Pastor wer verdutzt und dach, ich kann doch nich mit der Bibel dort hengahn und dan „Köter“ beerdigen? Aber sien Freund, dan Bahnmeister, verleern woll he ok nich. To de Deern sä he: „Sagen sie ihrem Herrn ‘Ich komme’.“

Ünnerwegens drippt he dan Postmeister und dan Gendarm, seggt em wat passiert is und bitt jüm doch mit to kommen. De meenen: „Dat geiht doch nich, dan Hund eenen Seegen geben.“

„Will ik je ok nich, kaamt man mit, wie möt uns Freund trösten,“ antwort de Pastor. An Grab ankommen, steiht de Bahnmeister, Mütz ünnern Arm, an Grab von Rex.

Alle veer sän keen Wort. De Pastor güng eenen Schritt na vörn und sä mit deepe Stimm, as woll he predigen: „Da liegt der Hund begraben“, mök he eene Pause und sä up Plattdeutsch: „So nu lat uns man na Hotel Stadt Hamburg gahn und dan Hund sein Fell versuupen, dat hört je woll doorto.“

De Alkohol wirk wie Medizin und hett den Bahnmeister Trost gäben. Düttmal kööm he nich mehr mit dan Hund na Huus, sondern blot mit eenen „Kater“.

So ist Rex woll de einzigste Hund, de bi uns een „Staatsbegräbnis“ beköm.

Carl-Friedrich Bautsch lebt in Groß Hesebeck und ist Plattschnacker aus Leidenschaft.

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