Stadt Uelzen nimmt an europaweiten Projekt teil

Auf den Spuren der Langobarden: Kreis Uelzen ist bedeutende archäologische Fundstätte

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Die Langobarden haben im Landkreis Uelzen ihre Spuren hinterlassen. Auf dem Gräberfeld in Nienbüttel haben Archäologen im vergangenen Sommer gegraben. „Nienbüttel entpuppt sich gerade als reichstes Gräberfeld Niedersachsens“, sagt Archäologe Fred Mahler.

Uelzen/Landkreis. Die Stadt Uelzen ist Mitglied in einem Projekt des Europarates geworden, dem „Longobard Ways across Europe“. Ziel des Projektes ist es laut Uelzens Stadtarchäologen Fred Mahler, den Spuren der auch Elb-Germanen genannten Langobarden auf ihrer Wanderung von Südskandinavien, über Norddeutschland und Tschechien bis nach Norditalien zu folgen.

Fred Mahler

„Wenn Italien die Endstufe der Wanderung der Langobarden ist, sind wir der Anfang“, sagt Mahler. Die Region Uelzen und die Unterelbe würden eine wichtige Rolle spielen, weil hier die Langobarden das erste Mal archäologisch wirklich greifbar sind. Nachweisbar seien die Langobarden in der Region vom 1. Jahrhundert vor Christus bis ungefähr 500. So gibt es im Landkreis zwei Ausgrabungen, die Einblick in die Geschichte der Langobarden geben. Zum einen jene im Veerßer Wald und zum anderen die Grabung bei Nienbüttel. „Nienbüttel entpuppt sich gerade als reichstes Gräberfeld Niedersachsens“, sagt Mahler.

Dabei zeigt sich auch, dass die Langobarden schon damals im Kontakt mit den Römern standen und selbst eine komplexe Gesellschaft entwickelt hatten. So finden sich in den Gräbern römische Luxusgegenstäde und Waffen. Diese seien aber nicht – wie das gängige Klischee lautet – nur bei Raubzügen von kulturlosen Barbaren erbeutet, sondern auch im Dienst als Söldner für Rom oder durch Handel erworben worden. Insgesamt sei die Region um Uelzen archäologisch und kulturell von großer Bedeutung.

Große Teile der Langobarden seien dann im 6. Jahrhundert aus der Region ausgewandert. „Verursacht wurde das durch ökolokische Probleme und Missernten. Deshalb gab es eine Wanderungsbewegung in Richtung Süden. Die Hunnen spielten nur eine untergeordnete Rolle“, berichtet Mahler.

Während ihrer Wanderung, die über drei Jahrhunderte dauerte, hätten sie dann etwa das Christentum angenommen, seien zwischenzeitlich immer wieder sesshaft gewesen und andere Menschen hätten sich ihrer Wanderung angeschlossen. „Schließlich sind sie in Norditalien angekommen. Wo sie die Kultur der ansässigen Bevölkerung übernommen haben“, so Mahler. Dort würden die Langobarden in Namen wie Lombardei fortleben.

„Mit dem Projekt können wir hoffentlich leichter an EU-Mittel kommen“, sagt Mahler. Mit diesen könnten dann die Funde museal aufbereitet werden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Wir sind zwar nur ein kleines Rad am Wagen, haben aber Funde mit denen wir uns nicht verstecken brauchen“, so der Stadtarchäologe. Das Besondere an den „Longobards Ways across Europe“ sei, dass es nicht einfach nur eine Kulturstraße sei, die mit dem Auto abgefahren wird, sondern dass sich die Regionen in sogenannten Clustern vorstellen und ihren Bezug zu den Langobarden aufarbeiten.

Zusammen mit seinen Kollegen aus Harbug und Lüneburg sowie Touristikern der Region solle ein Konzept entwickelt werden, um eine kultur-touristische Attraktion für die Region zu schaffen. „Außerdem erhoffe ich mir neue Impulse für die Forschung. Denn viele Fragen sind noch ungeklärt.“

Von Lars Lohmann

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