Auf den Spuren des großen Brandes

Uelzen. Vor einigen Wochen hatte er den Untergrund des Alten Rathauses untersucht und dabei erstaunliche Funde gemacht (AZ berichtete). Jetzt bekam Stadtarchäologe Fred Mahler die Gelegenheit, auf einem weiteren Grundstück in der Uelzener Innenstadt nach historischen Überresten zu suchen. Und was der 52-Jährige im Erdreich des kürzlich abgerissenen Reformhauses in der Fußgängerzone aufspürte, ist aus archäologischer Sicht bemerkenswert: Mahler hat nämlich eindeutige Spuren des verheerenden Stadtbrandes von 1646 entdeckt.

So befinden sich im Boden des Eckgrundstücks zwischen Bahnhof- und Achterstraße zahlreiche Dachziegeln aus Ton. „Das Haus ist damals beim Brand eingestürzt“, steht für Mahler fest. Das erklärt auch die schwarze Farbe auf den Tonziegeln und im Erdreich. „Keine Frage, das sind Brandspuren.“ Ebenso hat Mahler alte Fensterglas-Reste entdeckt: „Die Scheiben sind aufgrund der großen Hitze während des Feuers gesprungen“, vermutet der Archäologe.

In dem Backstein-Gebäude befand sich seinerzeit die Uelzener Stadtschreiberei. Mahler geht davon aus, dass das Haus zwischen 1550 und 1560 gebaut wurde und möglicherweise einen mittelalterlichen Vorgängerbau hatte. Dessen Grundriss ist jedenfalls noch gut erkennbar. Auch das aus klobigen Feldsteinen bestehende Fundament der Stadtschreiberei wurde bei den Grabungen zutage gefördert, ebenso eine Eingangsstufe. Zudem hat Mahler Überreste des Backstein-Fußbodens im Erdreich ausgemacht. „Der ist unheimlich brüchig, auch das kommt von der gewaltigen Hitze beim Stadtbrand“, erläutert er die eindeutigen Spuren.

Darüber hinaus hat Mahler zahllose Kleinfunde gemacht, zum Beispiel Keramikstücke und verzierte Ofenkacheln. Besonders augenfällig ist der Überrest eines historischen Gefäßes: ein etwa zehn Zentimeter langer, braun-weiß gemusterter Stiel.

Zwei Tage lang hatten Mahler und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter die Gelegenheit, in dem Untergrund zu stöbern. „In dieser Zeit haben wir möglichst viele Details festgehalten“, erklärt er. „Der erste Eindruck ist da.“

In den kommenden Wochen wird das Areal nun im Auftrag des Besitzers aus Winsen (Aller) bebaut. Dort entsteht ein modernes Gebäude mit Einzelhandelsgeschäften und Büroräumen. Von den mehr als 450 Jahre alten Überresten im Erdreich wird dann nichts mehr zu erkennen sein – bis möglicherweise Archäologen in ein paar Jahrhunderten die Spuren aus längst vergangenen Zeiten wieder ans Tageslicht fördern werden.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare