Die Spur unter dem Fingernagel

Uelzen/Lüneburg. Die Silvester-Party, zu der sie gemeinsam mit ihrer Mutter ging, wurde ihr zu langweilig, die 16-jährige Uelzenerin ging am Neujahrsmorgen 2010 zu Fuß nach Hause, fühlte sich auf der letzten Wegstrecke verfolgt. Als sie daheim die Haustür aufschließen wollte, wurde die Schülerin von hinten attackiert, zu Boden geschmissen und so stark gewürgt, dass sie das Bewusstsein verlor: „Ich dachte, jetzt ist es vorbei“, erinnerte sich die inzwischen 17-Jährige an den schlimmsten Moment ihres Lebens.

Angeklagt wegen sexueller Nötigung ist der 29 Jahre alte Dennis M. aus Uelzen, der die Taten vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg jedoch bestreitet.

Hinweise auf die Täterschaft des Angeklagten lieferte gestern der Diplom-Biochemiker Dr. Björn Bortfeld, DNA-Experte beim Landeskriminalamt Hannover.

An einem Spaghettiträger des schwarzen Minikleides des Opfers wie auch an dem Slip stellte der Gutachter Merkmale des DNA-Musters fest, bei denen Dennis M. als Verursacher „nicht auszuschließen ist“. Das heißt laut Bortfeld: „Die Chancen stehen Fifty-Fifty, dass die Spuren von ihm sind.“ Der Täter hatte der 17-Jährigen bei seinem sexuellen Übergriff auch in die Brust gebissen, ein Watteabstrich hier ergab: „Dennis M. kommt als Miturheber in Betracht.“ Und das bedeute, dass eine Wahrscheinlichkeit von deutlich mehr als 50 Prozent für den Angeklagten als Täter spreche.

Laut Anklage soll Dennis M. am 1. Januar, 7. Februar und 1. August 2010 in der Uelzener Innenstadt drei zur jeweiligen Tatzeit 16,15 und 23 Jahre alte Opfer von hinten überfallen, sexuell berührt und verletzt haben. Keine der Zeuginnen konnte M. jedoch einwandfrei identifizieren, wenngleich die beiden Jugendlichen und die Frau Beschreibungen abgaben, die auf den Angeklagten zutreffen: Er ist knapp unter 1,70 Meter groß, von kräftiger Statur und hat kurze Haare. Zwei der Opfer beschrieben auch Kleidungsstücke, die denen von Dennis M. ähneln.

Für die Täterschaft von M. spricht auch, dass ein Faser-Gutachter des Landeskriminalamtes inzwischen bestätigt hat, dass sich in zwei der drei Fälle Fasern der Kleidung von M. auf Kleidungsstücken der Opfer und umgekehrt befunden haben. Es sei in einem Fall „mehr als wahrscheinlich“, in dem zweiten „mehr als sehr wahrscheinlich“, dass es Kontakte zwischen dem Angeklagten und den Opfern gegeben habe.

Gestern sagte nun Dr. Bortfeld, dass es „nicht auszuschließen“ sei, dass – wie bei der 17-Jährigen – auch bei der 15 Jahre alten Uelzenerin gefundene DNA-Spuren von M. stammen. Deutlicher wurde der Gutachter im dritten Fall, in der die 23-Jährige das Opfer war. Unter dem Nagel ihres kleinen Fingers der rechten Hand wurde eine DNA-Spur sichergestellt: „Unter 243 000 Männern kommt nur einer in Betracht, der ähnliche Merkmale aufweist wie der Angeklagte.“

Der Prozess vor dem Landgericht wird am morgigen Donnerstag fortgesetzt.

Von Rainer Schubert

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