Spürhündin entdeckt „immer mal wieder“ Drogen in der Uelzener Justizvollzugsanstalt

Lucy wittert Haschisch

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Vor Lucy bleibt nichts geheim: Mit ihrer schmalen Schnauze gelangt die Hündin auch in besonders kleine Drogen-Verstecke zum Beispiel in Hafträumen in der Uelzener Justizvollzugsanstalt.

Uelzen. Die Nase reckt sie in die Luft, sie schnuppert und auf einen Wink prescht sie los:

Lucy läuft hektisch zwischen Schneeschieber, Regal und Eimer auf und ab, springt auf eine schmale Werkbank und wieder herunter, macht dann nach wenigen Sekunden an einer Leiter Halt und bellt aus Leibeskräften. Ihre Hundenase hat eine Tüte Haschisch gewittert. Lucy ist die Rauschgiftspürhündin der Uelzener Justizvollzugsanstalt (JVA) und die Jahrgangsbeste in ihrem Fach.

15 Hunde werden im niedersächsischen Justizvollzug eingesetzt. Sie helfen bei der Durchsuchung von Hafträumen, Fahrzeugen, Kleidung und Post, immer in Begleitung ihrer Hundeführer. „Es gibt noch keine Technik, die die Hundenase ersetzt“, sagt die Uelzener JVA-Leiterin Sabine Hamann und ist selbst fasziniert von Lucys Begabung.

Zum Streicheln ist der Hollandse Herdershond, ein Holländischer Schäferhund, auf den ersten Blick nicht eingestellt, das macht Lucy Unbekannten gleich am Anfang klar. „Ich weiß, dass sie auch ernst machen würde“, sagt Sabine Hamann, eigentlich eine Hundefreundin, die in diesem Fall aber respektvoll Abstand hält. Wegen der Häftlinge sei Lucys Eigenschaft von Vorteil. Nur ihr Drogenhundeführer aus dem Sicherheitsbereich, Lars G., darf in ihre Nähe sowie eine Kollegin von ihm und Karin Rothe, Leiterin des Uelzener Tierheims. Für sie war es „wie ein Sechser im Lotto“, dass Lars G. Lucy vor vier Jahren übernehmen wollte, berichtet sie.

Täglich ist die sechsjährige Hündin im Einsatz, immer wenn auch Lars G. Dienst hat. Und in unregelmäßigen Abständen findet sie auch etwas. „Immer mal wieder“, hält er sich bedeckt. „Das zeigt die Notwendigkeit, dass wir den Hund bekommen haben“, bestätigt Sabine Hamann.

Lucy wird aber niemals erfahren, ob sie wirklich erfolgreich war. Eine Entdeckung soll ihr nicht direkt bestätigt werden, sonst könnte sie sich an den Geruch ihres jeweiligen Fundes als „Vorbild“ gewöhnen und anschließend jedes Mal nur dessen Duftstoffe suchen, erklärt Lars G. Deshalb präpariert er vor jeder Drogensuche einen anderen Bereich, in dem er ein Päckchen versteckt, um ihr zum Abschluss ein Erfolgserlebnis zu verschaffen, so dass sie den Spaß an der Aufgabe behält. Anschließend darf sie mit ihm um ein Bringsel, ein Spielzeug, ringen.

Die Hunde der Justizvollzugsanstalten erhalten wie die Spezialhunde für die Polizei Niedersachsen in Ahrbergen bei Hildesheim ihre Ausbildung. Dort werden sie auf Grundstoffe von Drogen konditioniert, die in unterschiedlichen Kombinationen auftauchen.

„Es wird geschaut, was sich in der Drogenszene verändert“, berichtet Lars G. Auch das Erschnuppern neuer Substanzen werde trainiert, so dass Lucy auch neuere Drogen wie Crystal Meth finden kann. Lucy und Lars G. sind ebenfalls für die Lüneburger Abteilung der JVA zuständig und bei Bedarf für den Besonderen Sicherheitsdienst in ganz Niedersachsen im Einsatz.

Für die JVA ist Lucy ein Glücksfall: Eine Familie hatte vor über vier Jahren die Hündin als „hoch aggressiv“ bezeichnet und im Tierheim abgegeben. Karin Rothe nahm Lucy zu sich und stellte fest, dass die damals Zweijährige einfach nur unterfordert war, schildert sie. Versteckte sie Dinge im Haus, wollte Lucy gar nicht mehr mit dem Suchspiel aufhören. Rothe suchte eine Lösung für die hochbegabte Vierbeinerin. Dann zeigte die Justiz Interesse, da der Vorgänger von Lars G. und dessen Hund aus ihrem Dienst ausschieden. Lars G. wollte sich bewerben und benötigte einen geeigneten Hund. Gemeinsam absolvierten sie ein mehrmonatiges Training, das Lucy als Beste absolvierte.

Seitdem lebt sie bei ihrem Hundeführer und seiner Familie Zuhause, wie es bei den Drogenspürhunden der Justizvollzugsanstalten üblich ist. Somit werde ihr Bedürfnis nach familiärer Nähe – „Schmusen ist das Höchste für sie“, betont Karin Rothe – gestillt und zugleich sei sie ausgelastet.

Von Diane Baatani

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