Diakonieverband muss an andere Einrichtungen verweisen / Wunsch nach zentraler Anlaufstelle

Große Welle der Hilfsbereitschaft: Spendenlager am Limit

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Die Lager der Wohlfahrtsverbände füllen sich mehr und mehr – manche geraten deshalb bereits an ihre Kapazitätsgrenzen.

Uelzen. Der ehrenamtliche Einsatz ist beispielhaft und die private Spendenbereitschaft scheinbar grenzenlos – und so sehr man dieser Tage dieses Engagement für Flüchtlinge und Asylsuchende dieser Tage nicht hoch genug wertschätzen kann, so sehr stoßen die ersten Akteure bereits wegen der großen Welle der Hilfsbereitschaft an ihre Grenzen.

„Wir freuen uns natürlich sehr über alle Spenden, das ist toll!“, betont Tanja Klomfass vom Diakonieverband in Uelzen ausdrücklich. „Aber wir haben einfach keine Lagermöglichkeiten mehr. “.

Die kleine Garage, die dem Diakonieverband als Lager zur Verfügung steht, ist bereits bis unter die Decke vollgestopft mit Spenden. „Wir haben jeden Tag mindestens fünf Anfragen von Menschen, die etwas spenden möchten“, sagt Tanja Klomfass, um vielsagend nachzuschieben: „Und wir sind nur eine Einrichtung von vielen...“ Die Leute kämen „nicht nur mit einer Tüte, sondern gleich mit mehreren Kisten“, sagt sie und bedauert, die Spender dann an andere Einrichtungen wie die Kleiderkammern oder den CJD-Migrationsdienst (siehe Kasten) weiterschicken zu müssen. Auch einige Privatleute hätten bereits eigene Lagermöglichkeiten geschaffen, um all die Spenden unterbringen zu können.

Mit vereinten Kräften versuchen die Einrichtungen zurzeit, alles anzunehmen, zu lagern und letztlich dorthin zu bringen, wo es benötigt wird. Die Telefone stehen kaum still – immer wieder wollen Leute wissen, wo sie ihre Spenden abgeben können. Es seien vor allem Jüngere, „deutlich unter 40“, so Klomfass, die Kleidung und anderes Nützliche für die Flüchtlinge brächten. Jeden Tag. „Und es gibt zurzeit niemanden, der das zentral steuert“, bedauert Tanja Klomfass, „aber eine zentrale Telefonnummer dafür wäre gut.“

Eine weiter wachsende Herausforderung sieht Tanja Klomfass bei der Übersetzung für die Flüchtlinge. Viele junge Leute hätten sich dankenswerter Weise dafür zur Verfügung gestellt. „Doch jetzt hat die Schule, auch die Berufsschule, wieder begonnen – und so stehen uns diese jungen Übersetzer nur noch nachmittags zur Verfügung.“

Dabei sei das Dolmetschen für die Neuankömmlinge aus Syrien, Afghanistan, aus dem Irak und anderen Ländern unschätzbar wichtig, betont sie. Da komme es oft auf Feinheiten in den Formulierungen an, damit Informationen auch richtig ankämen. Für einige Flüchtlingsgruppen – zum Beispiel Mütter mit Kindern – seien weibliche Übersetzer besser geeignet, bei anderen habe man den Eindruck, „dass sie eher Männern zuhören“, so Klomfass.

Und dann seien da noch die feinen Unterschiede in der arabischen Sprache – manche sprächen Farsi, andere Dari, die nächsten Hocharabisch, hat Tanja Klomfass inzwischen gelernt. Ebenso wie sie gelernt hat, dass arabische Syrer am besten auf Arabisch begrüßt werden sollten und kurdische Syrer in kurdischer Sprache. „Wir und die Übersetzer müssen jedes Mal gucken, wer da kommt und in welcher Verfassung er ist“, beschreibt sie nur eine von so vielen Facetten, die derzeit die Arbeit mit den Flüchtlingen ausmachen.

Von Ines Bräutigam

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