Von Woche zu Woche

SPD-Vorstand verspielt Vertrauen

Dass die SPD nicht immer auf ihre Mitglieder vertraut, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, zeigt die Suche der Uelzener Sozialdemokraten nach einem geeigneten Bürgermeisterkandidaten:

Bei der Frage einer Regierungsbeteiligung auf Bundesebene hatte die Partei der Basis das Wort erteilt, die reichlich davon Gebrauch machte und sich mit deutlicher Mehrheit für die Regierungsehe mit der CDU und CSU entschied. Die Vorgehensweise war ein mutiger Schritt, denn es hätte auch anders ausgehen können. Für die Beteiligung der Basis und so viel Courage gab es dann auch viel Lob vom politischen Gegner und aus der Bevölkerung. In Uelzen dürfen die Sozialdemokraten in der Frage der Nominierung eines Bürgermeisterkandidaten auf eine solche Reaktion nicht mehr hoffen – berechtigterweise.

Vom Ortsverein waren die rund 190 SPD-Mitglieder angeschrieben und aufgefordert worden, sich bis zum 1. Dezember zu melden, falls sie kandidieren wollen. Das klingt wie bei der Koalitionsfrage nach größtmöglicher Beteiligung der Basis, nach dem Wunsch, niemanden ausgrenzen zu wollen. Aber was ist ein solches Vorgehen wert, wenn, wie nun Ralf Munstermann erklärt, er in den Ring steigen wollte, aber vom Vorstand gebeten wurde, zugunsten von Jürgen Markwardt zu verzichten? Wie viel Vertrauen hat der SPD-Vorstand in das Votum seiner Mitglieder, wenn es um die Bürgermeisterwahl geht? Im Übrigen: Wie viel Vertrauen hatte der Vorstand in Ralf Munstermann, der für die Partei bislang im Stadtrat den Fraktionsvorsitz inne hatte.

Die Entscheidung für einen Kandidaten, so ist festzuhalten, ist noch nicht getroffen – auch wenn sich der Vorstand für Jürgen Markwardt als Wunschkandidaten ausspricht. Am 5. Februar entscheidet die Uelzener SPD-Basis in einer Mitgliederversammlung über einen Bürgermeisterkandidaten. Es bleibt abzuwarten, was die Basis dann zu dem Vorgehen zu sagen hat und ob es nicht womöglich doch noch zu einer Kampfabstimmung kommt, die so wohl die Führung des Ortsvereins nicht wollte.

Gewonnen hätte der Vorstand dann nichts, stattdessen aber in jedem Fall das Vertrauen der Mitglieder in die Führung des Ortsvereins verspielt.

Von Norman Reuter

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