„Spaziergänge“ am Gleis

Freudig wird der Castor-Treck gestern auf dem Herzogenplatz begrüßt.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „Wir rechnen damit, dass der Castor eine andere Route nimmt, weil wir so viele sind hier im Kreis Uelzen.“ Bernd Ebeling, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) gegen Atomanlagen Uelzen, gab sich zuversichtlich gestern Nachmittag auf dem Herzogenplatz, „dass unsere Proteste so zahlreich sein werden wie nie zuvor“. Vor dem Rathaus waren um 16.30 Uhr mehr als zwei Dutzend Traktoren aus Salzgitter eingetroffen – Solidarität von Asse II- und Schacht-Konrad-Aktivisten fürs Wendland.

Der Castor-Transport aus Frankreich nach Gorleben rollt seit gestern 14.20 Uhr – und wenn er zügig durchkommt, kann er schon am späten Samstagabend den Landkreis Uelzen erreichen. Die BI sei auf jeden Zeitpunkt vorbereitet, versichert Ebeling. Und auf den gesamten 50 Bahnkilometern von Räber im Süden Uelzens bis nach Bienenbüttel im Norden erwarten die Protestler bis zu 1000 Demonstranten, die sich in der Nähe der Bahnlinie aufhalten und so dafür sorgen wollen, dass der Castor wesentlich langsamer als Tempo 100 rollt. „Denn 100 km/h sind einfach unverantwortlich, schneller als 30 km/h dürfte der Zug aus Sicherheitsgründen nicht fahren“, erklärt Ebeling.

Ein Schwerpunkt der Proteste im Kreisgebiet soll dabei Klein Bünstorf bei Bad Bevensen sein. In der Ortschaft, die nur 100 Meter von der ICE-Strecke Hamburg-Hannover entfernt liegt, erwartet die BI mehrere hundert Aktivisten unter anderem aus Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Die Schienen sollten nicht betreten werden, betont Ebeling: „Das ist viel zu gefährlich und das haben wir auch gar nicht nötig.“ Denn der Widerstand im Wendland werde an diesem Wochenende so groß sein wie in 30 Jahren nicht: „Wir rechnen mit 50 000 Menschen“, so der BI-Sprecher.

Anderthalb Stunden hatten etwa drei Dutzend Atomkraftgegner gestern Nachmittag auf dem zugigen Herzogenplatz ausgeharrt und auf den Castor-Treck aus dem „Weltatomerbe Braunschweiger Land“ gewartet. Dessen Teilnehmer auf ihren zum Teil in die Jahre gekommenen Traktoren waren nach stundenlanger Fahrt dankbar für wärmenden Kaffee und Kuchen zur Stärkung, bevor es weiter ins Wendland ging.

Derweil war der Schwerlastzug mit hoch radioaktivem Atommüll schon kurz nach seinem Start in Frankreich von Atomkraftgegnern aufgehalten worden. In der Nähe von Caen in der Normandie hatten sich vier Atomkraftgegner an die Gleise gekettet. In Deutschland wollen die Organisatoren der Anti-Atom-Kampagne „Castor schottern“ trotz der Warnungen der Polizei Steine aus dem Gleisbett der Transportstrecke entfernen.

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