Spannende Strategien ohne Stichwahl

Von Marc Rath - Gut ein Jahr vor der Kommunalwahl lichtet sich nunmehr die Diskussion beim Wahlmodus für die Landräte und hauptamtlichen Bürgermeister. Niedersachsens Landtag wird die neue Gemeindeordnung wohl erst im November beschließen, doch nach den Festlegungen des CDU-Landesparteitages vom Wochenende dürfte das Grundgerüst stehen. Und das birgt einige Neuerungen, die die Wahlen am 11. September 2011 durchaus spannend machen.

Da ist zum einen der Wegfall der Stichwahl. Wer die meisten Stimmen hat, geht direkt im ersten Anlauf durchs Ziel. Das verteilt die Chancen plötzlich völlig neu. Allein ein Blick in die Vergangenheit macht das deutlich, denn bei den ersten Direktwahlen in Kreis und Kreisstadt hätten danach andere Kandidaten das Rennen gemacht: Wolfgang Mocek anstelle von Günter Leifert in der Stadt und Gerhard Schulze anstatt Theodor Elster wären dann an die Spitze gekommen.

Mal abgesehen davon, dass dann zwei Christdemokraten anstelle eines Sozialdemokraten beziehungsweise Parteilosen vorneweg gestanden hätten: Es wären zwei völlig andere Charaktere gewesen. Die Geschichte im Hinterkopf zu haben, schadet beim Blick nach vorne meistens nicht.

Im Anbetracht des Wegfalls einer Stichwahl dürften bei der Landratswahl die Karten durchaus noch einmal neu gemischt werden. Verzichten CDU und SPD etwa auf einen eigenen Kandidaten, um etwa Theodor Elster (der sich noch nicht erklärt hat) oder den Grünen Raimund Nowak (wo sich die SPD inzwischen auffällig zurück hält) zu unterstützen? Es spricht viel dafür, dass beide großen Volksparteien bei dieser Wahl, die zeitgleich mit den Kreistags- und Gemeinderatswahlen stattfindet, mit einem eigenen Personalvorschlag antreten.

Theodor Elster wirkt in diesen Monaten wie einer, der nicht schon in einem Jahr das Kreishaus verlassen möchte – wenn auch inzwischen nicht nur die SPD, sondern auch die CDU vermehrt gegen seine stark vom Verwaltungshandeln geprägte Denke und Vorgehensweise sticheln. Da die Altersgrenze von 68 Jahren bei den Hauptverwaltungsbeamten aufgehoben werden soll, müsste Elster nicht schon nach der Hälfte der Wahlzeit abtreten, sondern könnte über die volle Distanz gehen.

Da ist in diesen Wochen viel Hinterzimmer-Diplomatie angesagt. Im konservativen Lager ebenso wie bei Rot-Grün. Die sehr früh geäußerten Ambitionen des ehemaligen Grünen-Landesvorsitzenden sind zwar sogar landesweit schlagzeilenträchtig, indes hat Raimund Nowak auch klar gesagt, er will nicht als grüner Kandidat antreten, sondern von einem Bündnis getragen werden. Rot-grüne Planspiele haben für viele lokale SPD-Politiker einen Charme. Gleichwohl kann ein kreisweiter Wahlkampf auch eigene Kandidaten wie die verstärkt geförderte Ivonne Großmann-Daniel nach vorne bringen.

Und was der Wähler dann macht – nun das lässt sich heute gar nicht mehr so genau berechnen. Eine Abschaffung der Stichwahl macht alles noch weniger planbar.

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