Gemeinsame Stunden für Demenzkranke im „Erinnerungscafé“ des DRK

Die Sorgen vergessen

Unterstützt von ausgebildeten Betreuern können Demenzkranke in Uelzen und Landkreis beim DRK zusammen basteln, kochen, lernen, singen und manchmal Erinnerungen wachrufen. Foto: dpa

Uelzen. „Du bist nicht allein“ singt Roy Black und fast scheint es, als ob der einmal so große Star seine Worte nur für die sechs Menschen an der Kaffeetafel geschrieben hat.

Denn diesen einen Nachmittag lang ist jeder von ihnen wichtig, sind ihre bruchstückhaften Erinnerungen Gold wert und der stillschweigende und verstehende Zusammenhalt wie eine Geheimsprache zwischen den vielen leeren Zeilen in ihren Köpfen. Seit gut zweieinhalb Jahren haben Demenzerkrankte jeden Dienstag die Gelegenheit, ein paar Stunden ihrem oft belastenden Alltag zu entfliehen – gemeinsam zu lachen, zu singen, spazieren zu gehen, Neues zu erforschen und Altes wiederzuentdecken.

Cornelia Taeger und Christa Jessel bereiten die „Erinnerungstafel“ vor – Thema diesmal: „traditionelle Schlachtung“. Foto: Privat

Christa Jessel gründete das „Erinnerungscafé“ im DRK-Mehrgenerationenzentrum, nachdem sie lange Jahre in Pflegeheimen mit alten Menschen gearbeitet hatte, um eine warmherzige Anlaufstelle für Betroffene zu schaffen. Nach einer Fortbildung zur Betreuungsassistentin für Demenzkranke spezialisierte sich die 55-Jährige auf die Opfer des langsamen Vergessens. Gemeinsam mit ihrem ausgebildeten Team organisiert sie die wöchentlichen Treffen. Jedes Mal unter einem anderen Thema. Immer mit vielen praktischen Übungen, Rätselfragen und viel Zeit für die Betroffenen. „Auf spielerische Art und Weise kommen plötzlich Erinnerungen zurück“, berichtet ihre Kollegin Cornelia Taeger und fährt fort: „Wir hatten das Thema ‘Leben und Geburt’, auf einmal kommen da Sätze wie ‘das tat weh’.“ Durch Gegenstände und einfache Handlungen würden längst verlorengeglaubte Bilder wiederkehren, erzählt sie und erinnert sich an eine sonst so in sich gekehrte Teilnehmerin, der auf einmal ein Streich aus Kindertagen eingefallen war.

Neben dem Wecken der Erinnerungen gehe es vor allem um die Gemeinschaft, betont die 50-Jährige. Wenn zusammen gekocht, gebacken, gerätselt und gemalt werde, kämen sich die Erkrankten näher, würden feststellen, dass sie nicht allein sind, mit ihrem Leid, berichtet sie. „Gerade im Anfangsstadium ziehen sich die Betroffenen zurück und isolieren sich – aus Scham oder Angst“, erklärt die ausgebildete Dementenbetreuerin. Während der Treffen würden viele zunehmend offener, fährt sie fort.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Entlastung der Angehörigen. Oftmals überfordert, manchmal ungeduldig und müde ist es für die Söhne, Töchter und Ehepartner der Erkrankten eine große Erleichterung, einige Stunden für sich zu haben und die Patienten einer professionellen Obhut anzuvertrauen. Beide Parteien sind nach dieser „Auszeit“ meist entspannter und können besser auf einander zugehen.

Natürlich gebe es auch Fälle, die mit einer Gruppensituation überfordert seien, räumt Christa Jessel ein, jene würde sie dann einzeln zu Hause besuchen, aber einige ihrer Patienten kämen nach der ambulanten Betreuung auch ins „Erinnerungs-café“, ergänzt sie. Maximal sechs Teilnehmer werden von drei Betreuern begleitet. Aufgrund der großen Nachfrage bietet das DRK-Team nun auch das „Erinnerungsfrühstück“ und weitere Treffen in Ebstorf und Bad Bevensen an.

Obwohl sie täglich, manchmal bis zu acht Stunden am Stück, ihre Hausbesuche macht und bei jedem „Erinnerungs-Treffen“ dabei ist, schwärmt Christa Jessel von ihrer Arbeit mit den Demenzkranken. „Es ist eine Bereicherung, diesen Menschen etwas zu geben“, erzählt sie und fährt fort: „Man bekommt so viel zurück.“

Von Lea Bernsmann

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