Elternrat am LeG fordert Sicherheit, Gesundheit und Sportunterricht / Amtsarzt empfiehlt Impfschutz

Sorgen um das Schülerwohl

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Die Sporthallen am Lessinggymnasium: Auch hier sollen ab Montag vorübergehend Flüchtlinge untergebracht werden. Sie werden dann wie in der Pestalozzi-Halle erstmal untersucht. Der Elternrat am LeG fordert baldige Wiederaufnahme des Sportunterrichts.

Uelzen. Eltern sorgen sich um ihre Kinder. Das ist ganz natürlich. Genauso natürlich, wie es für uns ist, dass gewisse Krankheiten in Deutschland, Niedersachsen, Uelzen mittlerweile kein Leben mehr bedrohen.

Ändert sich das gerade? Bringen Flüchtlinge gefährliche Krankheiten mit? Zum Beispiel Masern, Windpocken und Polio?

Nachdem klar ist, dass nach der Pestalozzi-Halle auch die Sporthalle des Lessinggymnasiums (LeG) ab Montag vorübergehend zur Notunterkunft für Flüchtlinge wird, beschäftigen diese Fragen auch die Eltern und Schüler. Stellvertretend äußert der Vorsitzende des Schulelternrates, Dr. Dirk Jaskolla, in einer Stellungnahme folgende Fragen: „Kann sichergestellt werden, dass die Flüchtlinge nicht ihre Spaziergänge durch die Schule machen? Ich würde meine Umgebung erkunden, wenn ich irgendwo neu bin. Das ist doch normal. Die Flüchtlingshelfer tragen Schutzkleidung beim ersten Kontakt mit den Flüchtlingen – wie groß ist das Risiko der Übertragung von Krankheiten, wenn die Schulkinder mit Flüchtlingskindern auf dem Schulhof in Kontakt kommen?“ Der Schulelternrat, so Jaskolla weiter, fordere dringend „ein Konzept für die Sicherheit und Gesundheit unserer Kinder“.

Jaskolla äußert auch Verständnis für die Entscheidung des Landkreises, der nach den Amtshilfeersuchen des Landes schnell Lösungen für die Unterbringung von insgesamt 200 weiteren Flüchtlingen in Uelzen gebraucht habe, meint aber, dass die „Flüchtlingsproblematik nicht zu Lasten unserer Kinder gehen“ dürfe. Deswegen akzeptiere man nur die vorübergehende Nutzung der Lessinghalle, ab dem 23. November müsse wieder der normale Schulalltag laufen.

Jaskolla betont, es gehe ihm nicht darum, Panik zu schüren, sondern um den Willen nach Klarheit bezüglich der Folgen durch die Belegung der Halle. Dass man am LeG dem Thema Flüchtlinge durchaus positiv gegenüber stehe, zeige unter anderem, dass schon länger überlegt werde, wie man die Integration von Flüchtlingskindern am LeG unterstützen könne. Jaskolla: „Dadurch gibt es für zukünftige Schüler aus Flüchtlingsfamilien jetzt schon ein Netz von Paten, die den Neuen dann zeigen werden, wie was an der Schule funktioniert. Darüber hinaus wurden die Eltern auch schon gebeten zu überlegen, wer von ihnen die Flüchtlings-Familien mit Schülern am LeG wie unterstützen kann.“

Das sei aber eine andere Sache als das neue Thema Sporthalle. Hier teilt Jaskolla den von mehreren Eltern geäußerten Wunsch nach einer Informationsveranstaltung mit Verantwortlichen der Politik.

Dr. Gerhard Wermes, Amtsarzt im Gesundheitsamt des Kreises, kann sich denken, woher die Sorge um die Gesundheit kommt: „In Berlin gibt es 1000 Menschen, die Masern haben. Ein Kind ist gestorben. Ausgangspunkt für die Verbreitung in Teilen der Stadt war eine Flüchtlingsunterkunft.“ Deswegen sei wirksamer Impfschutz vor Grippe, Masern und Diphtherie wichtig. Ein deutlicher Hinweis: „Jeder, der nach 1970 geboren ist, sollte sich gegen Masern impfen lassen.“

Wermes beruhigt aber auch: „Die Leute, die ankommen, sind in einem relativ guten Gesundheitszustand, jung und in guter Kondition.“ Alle 100 Flüchtlinge in der Pestalozzi-Halle seien sofort untersucht worden, auch auf Windpocken, Masern, Polio und Tuberkulose – ohne Befund. „Festgestellt haben wir Erkältungen, Verstauchungen und Zahnbeschwerden. Außerdem Läuse. Das haben wir behandelt, und es besteht keine Ansteckungsgefahr.“

Von Steffen Kahl

Einrichtung der Notunterkunft Pestalozzi-Sporthalle

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