Das Frühjahr war sehr trocken und warm, die Sonne nur Mittelmaß

Sommer in Warteschleife

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Uelzen/Landkreis. Tiefer Luftdruck über weiten Teilen Europas machte in der letzten Woche jede Hoffnung auf stabiles Sommerwetter zunichte. Wenigstens zogen die Temperaturen durch eine vorherrschend südwestliche Strömung langsam an.

Eingelagerte Regengebiete und Schauer machten den Regenschirm allerdings zum ständigen Begleiter. Seit dem Wochenende deuten die Wettermodelle sogar einen neuerlichen Temperaturknick nach unten an, so dass die verhalten feuchtmilde Witterung der kommenden Tage in dieser Woche ungebremst in die Schafskälte übergehend könnte.

Die Schafskälte ist der letzte große Kälterückfall des Jahres, die sich vorwiegend zwischen dem 10. und 20. Juni einstellt und ihren Höhepunkt zur Monatsmitte hat. Dieser im Volksmund wohl bekannte Begriff kommt von den frisch geschorenen Schafen her, die in dieser Zeit frierend im Winde stehen.

Mit dem sich abzeichnenden unterkühlten Szenario wären auch die Landwirte nicht einverstanden, die von der Juni-Witterung in Bezug auf die Ernte vor allem Ausgewogenheit erwarten. So heißt es: „Auf den Juni kommt es an, wenn die Ernte soll bestahn“, darum „Nicht zu nass und nicht zu kühl, nicht zu trocken, nicht zu schwül“.

Nach dem Warmstart des Mai mit zwei frühsommerlichen Tagen am Monatsanfang, gaben die Eisheiligen pünktlich zum 12. Mai ihre Visitenkarte ab. Mit Höchstwerten von zwölf bis 16 Grad und verbreiteten Bodenfrösten (12. und 13. Mai) gingen die gestrengen Herren noch bis zum Himmelfahrtstag in die Verlängerung.

Danach stellte sich das Wetter in nur drei Tagen komplett auf Sommer um. Ursache war ein Tiefdruckgebiet, das über Westeuropa ins Mittelmeer zog. An seiner Ostflanke stieß subtropische Warmluft nach Norddeutschland vor, in der zwischen Aller und Elbe am 22. und 23. Mai auch in Uelzen zweimal die 30-Grad-Marke geknackt wurde. Schon einer dieser so genannten „Heißen Tage“ kommt im Mai durchschnittliche nur alle fünf Jahre vor! Vier bis acht Sommertage (25 Grad und mehr), doppelt so viel wie üblich, rundeten das freundliche Mai-Bild ab. Mit zehn Tagen erreicht die Stadt Uelzen in dieser Kategorie unangefochtenen den Spitzenplatz.

Unerwünschter Nebeneffekt: Das sehr sonnige und warme Wetter des letzten Mai-Drittels ließ die Frühjahrstrockenheit und die Waldbrandgefahr rasch steigen. Erst am 31. Mai brachte ein intensives Regentief aus England das dringend benötigte Nass in zum Teil erheblichen Mengen (Uelzen 23 Liter/qm = 46% v. Monatssoll). Highlight des Monats war eindeutig das traumhaft schöne Pfingstwochenende, das für die nasskalten Ostertage entschädigte.

Im Vergleich zum vieljährigen Mittel schloss der Frühling im nordöstlichen Niedersachsen rund zwei Grad zu warm ab. Interessanterweise war dieses Frühjahr genau so warm wie das vergangene, aber weniger trocken. Trotzdem fehlten am Ende ein Viertel bis zu 40 Prozent der üblichen Niederschläge, während die Sonnenscheindauer leicht positiv ausfiel. Das Frühjahr in Uelzen: Durchschnittstemperatur 10,0 Grad (Abw. + 2,2 Grad), Niederschlag 91 Liter/Quadratmeter (66 Prozent vom Soll), Sonne 489 Stunden (107 Prozent vom Soll).

Von Reinhard Zakrzewski

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