30 Grad und Sonnenschein bringen Berufstätige ins Schwitzen / Ein Streifzug durch die Dresscodes

Sommer, Sonne – Sandalette?

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Flipflops und kurze Hosen gehören eher an den Strand als ins Büro – darin sind sich die meisten Arbeitgeber einig.

Uelzen. Wenn die Temperaturen steigen, fallen die Hüllen: Kurze Hosen oder Röcke, dazu ärmellose Shirts und Sandalen sind angesagt. Zumindest in der Freizeit. Im Berufsleben hingegen sind der Kleiderwahl häufig Grenzen gesetzt.

Die AZ hat sich bei verschiedenen Arbeitgebern einmal umgehört, welche Kleiderordnungen es in der Uhlenköperstadt so gibt.

„Bei uns gibt es keine strikte Kleiderordnung“, verrät Elise Goerlich vom Modehaus Ramelow, „die Mitarbeiter tragen jedoch modische Kleidung aus unserem Sortiment.“ Das Outfit soll jedoch zum Mitarbeiter selbst passen und natürlich zu den Kunden, die er bedient: „In der Trendabteilung ist das eine ganz andere Garderobe als im Bereich Damenwäsche“, nennt die Teamleiterin ein Beispiel. Kurze Hosen seien ein entsprechender Grenzfall. Ein absolutes Tabu gibt es dennoch: „Bauchfrei geht auf gar keinen Fall.“

Das ist auch in der Sparkasse Uelzen/Lüchow-Dannenberg völlig undenkbar. Hier nämlich gelte auch bei sommerlichen Temperaturen der Dresscode, erklärt Stefanie Herrmann, Leiterin des Personalbereichs. Heißt im Klartext: für den Herrn Anzug, Hemd und Krawatte, für die Dame Kostüm oder Hosenanzug. „Das gilt vor allem im öffentlichen Bereich mit Kundenverkehr“, so Herrmann – und bei den vorhandenen klimatisierten Räumen sei das auch überhaupt kein Problem.

Für die weiblichen Angestellten darf es auch mal ein schicker Zweiteiler oder ein Twin-Set sein. „Es muss nur businessmäßig sein“, sagt Stefanie Herrmann, die weiß, dass genau dieser Kleidungsstil bei Kunden Vertrauen erzeugt. Im internen Bereich der Sparkasse dürfen die männlichen Kollegen ihr Sakko bei großer Hitze auch mal ausziehen. Gehen sie allerdings durch den öffentlichen Kundenbereich, gehört es wieder zur gewünschten Garderobe dazu.

Nicht ganz so genau nimmt es da die Volksbank Uelzen-Salzwedel eG: „Einen wirklichen Dresscode gibt es bei uns nicht“, sagt Sprecher Nico Neumann. „Wir gehen davon aus, dass jeder Mitarbeiter sich angemessen kleidet.“ Eine Krawatte sei im Hochsommer keine Pflicht, und ein Hemd ohne Jackett sei auch völlig in Ordnung. Hawaiihemd oder kurze Hose bei den Herren gingen allerdings ebenso wenig wie Spaghettiträger-Tops bei den Damen. „Aber das weiß jeder der Kollegen auch“, ist Nico Neumann überzeugt.

„Ästhetisch akzeptabel“ müssen die Mitarbeiter laut Bürgermeister Otto Lukat im Uelzener Rathaus gekleidet sein. „Es gibt keinen Krawattenzwang“, betont der Rathauschef. Dort, wo kein Publiumsverkehr ist, sind die Vorgaben etwas lockerer. Wer allerdings mit Besuchern zu tun hat, der darf weder kurze Hose noch Flipflops tragen. „Wir haben keine Klimaanlage im Rathaus, nur Sonnenschutzblenden“, sagt Lukat.

Im Uelzener Kreishaus sind die Kleidungsvorschriften schriftlich in der allgemeinen Geschäftsanweisung des Landkreises Uelzen zu finden. Dort heißt es, dass „Abteilungsleiter darauf zu achten haben, dass das Erscheinungsbild und Auftreten der Mitarbeiter entsprechend ist“. Auch im Kreishaus gilt: „Dort, wo kein Publikumsverkehr stattfindet, geht es etwas legerer zu“, sagt Landkreis-Pressesprecher Martin Theine.

Die Verwaltung auf dem Land ist auch gemäßigt leger: Alexander Kahlert, stellvertretender Gemeindedirektor Wrestedts, trägt gestern leichte Jeans, Polo-Shirt und geschlossene Freizeitschuhe. Piekfein müsse es nicht sein, im Publikumsverkehr müsse man aber auf ein angemessen seriöses Erscheinungsbild achten. Nur ein einziges Mal in vielen Jahren seiner Tätigkeit in Wrestedt habe Kahlert einer jungen Kollegin ins Gewissen reden müssen, weil sie sich etwas zu offenherzig gekleidet hatte.

In den Krankenhäusern zählt die Funktion vor dem Sommer-Feeling. „In einem Krankenhaus richtet sich die vorgeschriebene Dienstkleidung streng nach den Hygienerichtlinien“, berichtet Birga Berndsen, Pressesprecherin des Herz- und Gefäßzentrums (HGZ) in Bad Bevensen. „Auch an heißen Tagen ist das Tragen der Dienstkleidung natürlich Pflicht.“ Doch zu sehr kommen Ärzte und Pflegepersonal – zumindest wegen der sommerlichen Temperaturen – nicht ins Schwitzen. Ein Großteil der Dienstkleidung ist ohnehin kurzärmelig, „um die korrekte Desinfektion von Händen und Unterarmen sicherstellen zu können“, wie Berndsen erklärt. Die Stoffwahl entspräche zudem den Temperaturen im Haus. Berndsen: „Somit stellt die Dienstkleidung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Belastung dar, alle können sich ungetrübt über das hochsommerliche Wetter freuen.“

Gediegen, aber leicht und chic sind im Hotel Kieferneck in Bad Bevensen schon die Gäste gekleidet. Die Mitarbeiter dürfen dem in nichts nachstehen. „In der Vier-Sterne-Gastronomie geht es ohne ein gewisses Minimum nicht“, sagt der Eigentümer des Hotels, Alexander von Keller.

Den Mitarbeiterinnen in dem Bevenser Hotel ist es dabei grundsätzlich freigestellt, einen Rock oder eine Hose zu tragen, wobei die Farben schwarz und weiß vorherrschen. Die Kleidung der Mitarbeiter muss aber dennoch eine grundlegende Eleganz haben, Spaghettiträger-Tops gibt es da nicht. Männer tragen zumindest eine ordentliche Kombination aus Hemd und Hose, auch, wenn es heiß ist.

Klimatisiert sind die Service-Räume im Kieferneck nicht, „Durchzug reicht allemal“, findet von Keller. Der komplette Anzug muss aber auch im Vier-Sterne-Hotel nicht sein. „Der einzige, der auch im Sommer im kompletten Anzug herumläuft, das bin üblicherweise ich“, so von Keller.

Von Ines Bräutigam, Wiebke Brütt, Kai Hasse, Jörn Nolting und Karsten Tenbrink

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