Streit um Motorsport im ADAC-Fahrsicherheitszentrum / Bürgerinitiative sammelt Unterschriften

Slalomrennen vorerst gestoppt

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Embsen. „Veranstaltung abgesagt“, heißt es auf der Internetseite des ADAC-Hansa-Slaloms. Die sechste Auflage der Motorsportveranstaltung, bei der die Teilnehmer in seriennahen Fahrzeugen gegeneinander antreten, war für den 18. Juli angesetzt.

Die Rennen auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums Lüneburg sind – auch aus rechtlichen Gründen – seit längerem umstritten. Die Absage ist auch ein Erfolg für die örtliche Bürgerinitiative „Blauer Himmel über Ilmenau“, die Anwohner in Melbeck und Embsen vertritt.

Der Veranstalter hat den Slalom abgesagt. Foto: Kieppe

„Die Slalom-Rennen werden ja nicht, wie der ADAC behauptet, anstatt der bisher durchschnittlich drei Kart-Veranstaltungen pro Jahr durchgeführt, sondern kommen noch obendrauf – und damit auch der Lärm und die Abgase“, kritisiert BI-Vorsitzende Carola Hennig. „Laut den uns vorliegenden Informationen sind zusätzlich allein sechs Wochenendveranstaltungen jährlich und elf Trainingstage wöchentlich geplant.“

Die Bürgerinitiative wirft dem ADAC nicht weniger als 18 „rechtswidrige“ Veranstaltungen in drei Jahren allein auf der Kartbahn vor. Dabei haben die Bürger sogar das Baurecht auf ihrer Seite: Denn die Nutzung des großen Geländes, das eigentlich Fahrsicherheitstrainings dienen soll, für den Motorsport ist durch den vorhandenen „Bebauungsplan Nr. 15 Heidkamp“ offenbar nicht abgedeckt.

Der ADAC hat deshalb bei der Gemeinde Embsen einen Antrag auf Ergänzung der 2003 in Kraft getretenen Satzung gestellt, um auf der Kartbahn weiterhin Slalomrennen veranstalten zu können. Die Änderung ist im Gemeinderat umstritten. Eine Unterschriftenaktion der Bürgerinitiative läuft bis zum 18. April – zwei Tage, bevor der Embsener Gemeinderat entscheidet. Die Sitzung findet am Montag, 20. April, ab 19.30 Uhr im Gasthaus Stumpf in Embsen statt.

Der Geschäftsführer des Fahrsicherheitszentrums erklärt sich für nicht zuständig: „Ich habe damit nichts zu tun, und das Thema interessiert mich auch nicht“, antwortet Bernd Beer eher zugeknöpft auf AZ-Anfrage. Er verweist auf den ADAC Hansa Hamburg und dessen Ortsclubs als Rennveranstalter.

Es gehe lediglich um eine Erweiterung der Betriebsgenehmigung für die Kartbahn, betont dessen Pressesprecher Christian Hieff. Die sei im Bebauungsplan „redaktionell vergessen“ worden. „Es ist ein rein formaler Akt.“

In Richtung der besorgten Bürger argumentiert er, durch die Reduzierung des Kartsports würde die Lärmbelastung sogar sinken: „Die bei den Slaloms paarweise gegeneinander antretenden seriennahen und oft nur leicht modifizierten Pkw sind natürlich viel geräuschärmer als die Karts, von denen bei einem Rennen gleichzeitig 16 auf der Strecke sind.“

Den Anwohnern rund um das Fahrsicherheitszentrum verspricht Hieff zukünftig größtmögliche Transparenz bei der Terminierung der Veranstaltungen. „Damit jeder zu jedem Zeitpunkt genau feststellen kann, woher der Lärm wirklich kommt, der ihn nervt“, kündigt der ADAC-Sprecher an. „Wir wollen mit dieser Maßnahme den Druck aus dem Kessel lassen und unseren Kritikern entgegenkommen, die uns bei Nichteinhaltung an die Kandare nehmen können.“

Ob es dazu kommt, entscheidet der Gemeinderat. „Doch selbst, wenn dort die Änderung beschlossen wird“, so Gemeindedirektor Peter Gentemann, „kann sich das Verfahren noch Monate bis in den Herbst hinein hinziehen.“ So lange gibt es keinen Auto-Slalom beim ADAC.

Von Marcus Kieppe

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