Das Ehepaar Paul ist auf den Weltmeeren unterwegs / Zwischenstopp in der Heide

Skipper mit Tiefgang

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Silvia und Harald Paul haben vor zehn Jahren eine trockene Wohnung und ihre Berufe gegen ein Leben auf der „Gypsy Life“ getauscht. Seitdem sind sie auf den Weltmeeren unterwegs.

Uelzen-Groß Liedern. Es gießt in Strömen, als die „Gypsy Life“ der Extremskipper Silvia und Harald Paul am Samstagmittag vom Elbe-Seitenkanal bei Groß-Liedern in den Sportboot-Hafen abbiegt.

Auf seinem Weg von der Donau nach Alaska hat das handliche Boot etwa eine halbe Stunde zuvor die Esterholzer Schleuse passiert. „Ein interessantes Erlebnis“, bestätigt das Ehepaar, das in den vergangenen zehn Jahren zwar schon auf Gewässern in der ganzen Welt unterwegs war, aber die Uelzener Schleuse schon als „etwas Besonderes“ erlebte.

Wegen ihres Tiefgangs muss die „Gypsy Life“ bei ihrem Zwischenstopp vorsichtig in den Sportboot-Hafen manövriert werden. Etwa 30 Zentimeter bleiben dem durchgehenden Kiel noch bis zum schlammigen Grund, als Silvia und Harald Paul endlich am Gast-Steg anlegen. Nun wird erst einmal ein Kaffee gekocht. Das vom Mobiliar nur mit dem Nötigsten ausgestattete Boot, das dem Paar schon seit Jahren als Wohnung und Fortbewegungsmittel dient, hat es dafür technisch in sich. „Schließlich müssen wir mit diesem Boot den Rhein genauso hinauffahren wie den Nordatlantik überqueren“, erklärt Harald Paul die Anforderungen.

In Groß Liedern nutzen die beiden Abenteurer das Forum, um im Gasthaus des Yachtclubs über ihre Expeditionen ins Eismeer zu berichten. Nach dem Motto „Wer viel reist, hat viel zu berichten“ sprudeln die Erlebnisse nur so aus dem 50-Jährigen heraus. Eine Stunde ist viel zu kurz. Aber die Botschaft kommt bei den Zuhörern an: Denn als der Forstwirt und die heute 47-jährige Hauswirtschafterin vor zehn Jahren den sicheren Job und eine trockene Wohnung in Bayern gegen das Abenteuerleben tauschten, trieb sie die Idee an, das bei ihren Fahrten gewonnene Verständnis für die unmittelbar erlebte Natur anderen vermitteln zu können. „Wer die Eisberge selbst gesehen hat, schätzt das Risiko der Abschmelzung realistischer ein“, kritisiert Paul die Berechnungen dramatisierender Institute.

Als Motorboot mit Segeln ausgestattet, enthält die „Gypsy Life“ umfangreiche Technik, um energetisch unabhängig von der Außenwelt betrieben und bewohnt zu werden. Große Solarpaneele auf dem Deck, im Zugangsbereich dagegen ein schlichter Holzofen, der dem vollverglasten Innenraum behagliche Wärme spendet. Die speziell angefertigten doppelverglasten Fenster halten widrigsten Bedingungen stand, erzählt der Skipper begeistert. „Da wir das ganze Jahr über bei jeder Witterung auf dem Boot sind, wäre es nicht gut, unter Deck auf Tageslicht zu verzichten.“ Die Scheiben lassen beim Filmen und Fotografieren eine hervorragende Bildqualität zu. Das Ursprungsschiff war ein einfaches Arbeitsschiff, das mit seinen 21 Tonnen eine Zuladung von sechs Tonnen trägt. Der durchgezogene Kiel verleiht dem Boot auch bei ungünstigsten Bedingungen noch ausreichend Stabilität. Nach und nach hat der Technikfan die Details an dem Schiff für die Reisen in extremen Gefilden optimal perfektioniert.

Von Angelika Jansen

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