Castor-Gegner laden zu Demo-Training in St. Petri ein

Sitzblockade im Schatten des Altars

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Uelzen. Wo sonst Konfirmandenunterricht und Seniorenkaffee stattrfinden, gibt es am morgigen Sonnabend Sitzblockaden und schmerzhafte Griffe. Im Gemeindehaus der St.-Petri-Kirche an der Osterstraße lädt die BI gegen Atomanlagen ab 12 Uhr alle Prostest-unerfahrenen Bürger ein, den körperlichen Widerstand beim bevorstehenden Castor-Transport mit „erfahrenen Trainern“ zu üben.

Wie dieses „Aktionstraining“ im Detail aussehe, wisse er nicht, räumte Pastor Armin Sauer auf AZ-Nachfrage ein. „Ich werde mich jetzt aber schleunigst kundig machen.“ Die Uelzener Bürgerinitiative sei vergangenes Jahr beim Besuch der Europaabgeordneten Rebecca Harms an ihn herangetreten mit der Bitte, im Gemeindehaus die Bürger über die Castor-Proteste informieren zu dürfen. „Wir haben das im Kirchenvorstand diskutiert und waren einverstanden.“

Laut einer Pressemitteilung der BI will man an dem Trainingsnachmittag unerfahrene Demonstranten „best möglich vorbereiten“, „sicher, entschlossen und erfolgreich“ zu agieren. Weiter heißt es: „Von basisdemokratischer Entscheidungsfindung, über Umgang mit Angst und Wut, sowie das Hinkommen zur Blockade und Verhalten bei polizeilicher Räumung bis hin zu rechtlichen Fragen – das Aktionstraining gibt das Handwerkszeug, um selbstverantwortlich handeln zu können.“

Das Training leiten wird Jürgen Fahrenkrug von der Initiative „X-tausend mal quer“. Er habe eine Ausbildung als Trainer für gewaltfreie Aktionen in der Anti-Atomkraftbewegung absolviert, erklärt er. „In Uelzen üben wir ein paar Situationen, damit die Leute merken, ob das was für sie ist“. Fahrenkrug meint damit unter anderem Räumungsaktionen durch die Polizei, „wenn man sich auf so etwas einlässt, muss man einfach wissen, dass da gewisse Griffe schmerzhaft sein können“. Straftaten würden nicht geübt, betont Fahrenheit: „Uns geht es um Gewaltfreiheit im weitesten Sinn.“

Bei der Polizei sieht man solche „Trainingslager“ gelassen. „Man kann sich natürlich so Professionalität im negativen Sinne aneignen, aber es kann sich durchaus auch positiv auswirken, so dass es nicht zu unüberlegten Handlungen gegenüber Polizeibeamten kommt“, sagt Sprecher Kai Richter. „Wir appellieren da an die Trainer, entsprechend auf die Teilnehmer einzuwirken.“

Von Thomas Mitzlaff

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