Ebstorfer Hof muss Kunden kündigen: Hoffen auf neuen Pferdestall / Betrieb der Reitschule geht weiter

Sieben Monate nach dem Brand

Betreten des Grundstücks verboten: Sabine Bruns darf keinen Fuß auf das eingezäunte Gelände setzen, auf dem einst ihr Pferdestall stand.

Ebstorf. Baumaschinen und Handwerker – was die Geduld von manchem Eigentümer auf eine harte Probe stellt, wird von Sabine Bruns sehnlichst herbeigewünscht. Ende Januar brannte der Eigentümerin des Ebstorfer Reiterhofes ihr 800 Quadratmeter großer Pferdestall nieder.

Bis heute konnte kein Ersatz geschaffen werden.

Die Kraft der Flammen: Vor sieben Monaten wurde der Pferdestall vom Feuer zerstört. Fotos: Bornemann (1)/Brütt (2) 

Rückblick: Am 28. Januar brechen mittags in dem Stall Flammen aus. Der Rauchpilz ist im ganzen Klosterflecken zu sehen (die AZ berichtete). Die Tiere können gerettet werden. Ein alter Trecker fällt den Flammen zum Opfer. Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Brand bleibt die Ursache für die Tragödie ungeklärt, wie die Kriminalpolizei Uelzen bestätigt. „Ausgeschlossen wurden eine Selbstentzündung und ein technischer Defekt. Denn Lampen gab es in dem Teil, in dem das Feuer ausgebrochen ist, nicht“, erklärt Sabine Bruns. Über die Möglichkeit der Brandstiftung möchte sie besser nicht nachdenken: „Sonst bekommt man ja kein Auge mehr zu.“

Notunterkunft: Bisher zahlten Kunden für die Unterbringung ihres Pferdes in diesem Zelt. Die Lösung wird dem Hof nun aber zu teuer.

Eigentlich war das Reiterhof-Team dem Unglück vom Januar mit Optimismus begegnet – man rückte näher zusammen, hielt den Betrieb aufrecht. Für den zerstörten Pferdestall, der vor dem Brand für die Unterbringung hofeigener und fremder Pferde sowie die Lagerung von Heu genutzt wurde, fanden die Bruns Übergangslösungen. Für das Heu wurde der stillgelegte Heuboden neu aktiviert. „Außerdem haben wir Rundballen gekauft, die mit Folie umwickelt sind und darum auch draußen gelagert werden können“, erklärt Sabine Bruns. Die Pferde, die dem Reiterhof gehören, stehen seit dem Brand Tag und Nacht auf der Weide. „Das macht ihnen nichts aus – und wenn es zu kalt wird, bekommen sie Decken umgelegt“, sagt die 29-jährige Hof-Inhaberin. Für die eingestallten Pferde anderer Besitzer stellte das Reiterhof-Team kurz nach dem Feuer einen sogenannten „Turnierstall“ auf – ein großes Zelt, in dem 16 Pferde in abgetrennten Boxen versorgt werden. Doch diese Maßnahme, die nur als Überbrückung bis zur Fertigstellung eines neuen Stalls gedacht war, wird nun zu teuer. „Wir müssen ihn nun abbauen. Der kostet jeden Monat rund 4000 Euro“, rechnet Sabine Bruns vor. Für 200 Euro pro Monat konnten Privatpersonen bisher ihre Pferde in einer der 16 Boxen des Zeltes einmieten – also ein Minusgeschäft für den Hof. „Das können wir uns einfach nicht mehr leisten“, sagt die 29-Jährige. „Wir mussten vielen Leuten, die über zehn Jahre bei uns Kunde sind, kündigen. Das tut weh.“ Acht hoffremde Tiere sind derzeit noch auf den Weiden des Ebstorer Betriebs untergebracht.

Der Bau eines neuen Stalls ist indes vor den ersten Arbeiten ins Stocken geraten. Bevor die Handwerker anrücken, müssten die Überreste des abgebrannten Gebäudes abgerissen werden. Doch die Entsorgung der Überbleibsel ist schwierig: Der Pferdestall war ehemals ein Kuhstall. Das Fundament ist demnach mit Güllekanälen durchzogen. „Die Restgülle in den Kanälen wurde durch Feuer, Brandwasser und Löschschaum verunreinigt. Es kann darum nicht einfach auf ein Feld gegeben werden“, nennt Sabine Bruns einen Grund für die Verzögerungen. „Ich hoffe sehr, dass wir nächstes Jahr bauen können.“ Der Betrieb der Reitschule, der neben der Einstallung 50 Prozent der Einnahmen des Reiterhofes ausmacht, geht unterdessen wie gewohnt weiter. Denn Reithalle und Außenanlagen können ohne Einschränkungen genutzt werden.

Von Wiebke Brütt

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