Reeperbahn-Prozess: 37-jähriger Uelzener und drei weitere Angeklagte in Hamburg verurteilt

Sieben Jahre bis lebenslänglich

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Drei von vier wegen gemeinschaftlichen Mordes Angeklagte (1. von links, 4. und 5. von links) stehen gestern neben ihren Anwälten vor der Urteilsverkündung im Landgericht in Hamburg vor ihren Plätzen. Vier Angeklagte Männer sollen im April 2012 ein Lokal auf dem Hamburger Kiez gestürmt und einen 44-Jährigen Mann ermordet haben.

Hamburg/Uelzen. Im Prozess um einen bewaffneten Überfall auf einen 44-Jährigen in einem Café nahe der Reeperbahn wurde gestern im Hamburger Landgericht das Urteil gesprochen.

Einer der vier Angeklagten hat wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe erhalten, dessen Cousin muss für elf Jahre ins Gefängnis. Der Uelzener Arben P. , der im Vorfeld gestanden hatte, am Tatabend die anderen Männer begleitet zu haben, wurde zu sieben Jahren Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt, ebenso ein vierter Mann aus der Gruppe.

In der Nacht zu Gründonnerstag im vergangenen Jahr waren Arben P. und sein Bekannter, wie berichtet, von Uelzen nach Hamburg gefahren. Auf einem Parkplatz in St. Pauli trafen die vier Männer aufeinander und suchten gemeinsam ein Café an der Hein-Hoyer-Straße auf. Dort wurde der 44-Jährige mit einem Meißel stark am Kopf verletzt und mit zwei Messerstichen getötet. Seine 31-jährige Schwester war am Oberarm angeschossen worden, hat den Überfall aber überlebt. Den Angriff mit Messer und Meißel hatten die beiden Cousins im Laufe der Verhandlungen eingeräumt.

Der Vorsitzende Richter warf ihnen gestern Streben nach gewaltsamer Vergeltung vor, da ihre Tat ein Racheakt für eine vorangegangene Auseinandersetzung zwischen den zwei Familien gewesen sein soll. Letztendlich wurde dem Cousin des Hauptangeklagten von der Kammer positiv ausgelegt, dass er ein umfangreiches Geständnis abgelegt hatte, daher wurde in seinem Fall das Strafmaß von lebenslänglich auf elf Jahre Haft gesenkt.

Der Verteidiger des Uelzener Angeklagten hatte in seinem Schlussvortrag in der vergangenen Woche erklärt, sein Mandant habe sich der Gruppe zwar angeschlossen, sei während des Vorfalls jedoch außerhalb der Kaffeebar geblieben. Ob Arben P. ebenfalls bewaffnet gewesen sei und wer die Schusswaffe benutzt habe, sei nicht nachgewiesen. Rechtsanwalt Siegfried Schäfer hatte daher zwei Jahre Freiheitsstrafe für seinen 37-jährigen Mandanten beantragt und vorgeschlagen, diese zur Bewährung auszusetzen.

Nach der zweistündigen Urteilsverkündung gestern kritisierte er, dass die Kammer „mit keinem Wort“ auf die Anträge der Verteidigung eingegangen sei. Er werde nun empfehlen, Revision einzulegen, sagte Schäfer auf AZ-Nachfrage. Sein Mandant befindet sich unterdessen weiterhin in der Haftanstalt in Hamburg-Alsterglacis.

Von Diane Baatani

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