Nach Schießerei in Lüneburg: Staatsanwalt fordert lebenslängliche Haft für Ebstorfer und seine zwei Brüder

„Sie wollten Rache für die Demütigung“

Besondere Sicherheitsmaßnahmen gab es beim Prozess wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Archivfoto: Ph. Schulze

rast Lüneburg/Ebstorf. Selbst sein Verteidiger Siegfried Schäfer sagte: ,,Die Tatbeteiligung von Ahmet A. ist nicht zu leugnen. “ Doch der 30 Jahre alte Mandant sagte in seinem seit Prozessbeginn im März ersten und gleichzeitig letzten Satz: ,,Ich bin unschuldig.

“ Während der Bardowicker keine Reue zeigte, die Forderung des Staatsanwalts nach einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe gar zynisch mit Applaus bedachte, machten seine beiden Brüder reinen Tisch: Der Ebstorfer Tahsin A. (53) und Alihan (39) aus Bardowick entschuldigten sich bei den Opfern. Sie seien „froh, dass niemand gestorben ist“. Auch sie äußerten sich erstmals vor der 4. Großen Strafkammer, ihre letzten Worte kamen Geständnissen gleich.

Nach den sechs Schüssen, die am 5. Oktober 2011 gegen 19.30 Uhr an der Rotehahnstraße in Lüneburg gefallen waren, forderte der Staatsanwalt gestern für die drei kurdischen Brüder jeweils lebenslänglich. Er geht von zwei versuchten Morden in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung aus. Die Verteidiger sehen nur versuchten Totschlag mit gefährlicher Körperverletzung und plädieren auf deutlich geringere Strafen.

Der Staatsanwalt geht von Rache als Motiv aus: Die jüngeren Angeklagten hatten am Vorabend einen Streit, bei dem Alihan von jemandem aus dem ehemaligen Jugoslawien am Kopf verletzt wurde. Eher zufällig dabei war der griechische Wirt des Wettcafés an der Rotehahnstraße. Auslöser für die Schüsse sei dieser Streit auf offener Straße gewesen. „Sie wollten Rache für die Demütigung in aller Öffentlichkeit“, so der Staatsanwalt. Noch in der Nacht hätten die Angeklagten den ehemaligen Jugoslawen in seinem Wohnort Dahlenburg stellen wollen, trafen ihn aber nicht an. Am nächsten Tag begab sich das Trio in Richtung Wettcafé, wo sie ihr Opfer vermuteten.

Der Dahlenburger floh ins Gebäude, Ahmet A. schoss dem davor auf einem Stuhl sitzenden Wirt in beide Beine: „Symbolisch – das Opfer sollte vor den Tätern in die Knie gehen“, interpretiert der Staatsanwalt. Als der Wirt dennoch aufstand und ins Haus lief, folgte ein dritter Schuss, der das Herz nur um 17 Millimeter verfehlte. Der Grieche wäre gestorben, wäre der Notarzt nicht binnen kürzester Zeit am Tatort gewesen. Einem Unbeteiligten schoss Ahmet A. danach auf der Straße in den Rücken, um ihn als Zeugen auszuschalten. Alihan und Tahsin A. traten auf das zu Boden gegangene Opfer ein, Achmet wollte es dann mit einem Kopfschuss töten – traf aber versehentlich in Bein und Bauch seines Bruders Tahsin.

Die Tat war laut Staatsanwalt von äußerster Brutalität geprägt, die Täter seien bewusst nicht maskiert gewesen: „Sie wollten ihre eigene Person zur Schau stellen, damit die Opfer wissen, wer sie erschießt.“ Das Geschehen wertete der Ankläger als versuchten Mord aus niederen Beweggründen.

Auch die Anwälte der beiden Opfer sprachen sich für lebenslängliche Strafen aus. Die Verteidiger allerdings meinten, die Angeklagten hätten lediglich ein klärendes Gespräch gesucht; die Situation eskalierte erst vor Ort. Einer der Anwälte erwog, dass die Aggressionen auch vom Wirt hätten ausgehen können. Das tatsächliche Motiv bleibt auch nach dem Prozess im Unklaren. Die 4. Große Strafkammer verkündet am 13. Juli ihr Urteil.

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