Archäologische Grabungen fördern bislang einmaliges Glas aus 16. Jahrhundert zutage

Sensationsfund unterm Café

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Uelzen. Es ist eine kleine Sensation für Uelzen: Bei den Grabungen auf dem Gelände des ehemaligen Café Harder zwischen Veerßer Straße und Schuhstraße haben Stadtarchäologe Fred Mahler und sein Team Reste hochwertiger Trinkgläser gefunden, die vor Ort bislang beispiellos sind.

„Ganz eindeutig gehörte dieses Trinkgeschirr zur Tafelausstattung eines sozial höher stehenden Haushaltes, in dem man offenbar über die Mittel verfügte, einen gewissen Luxus zur Schau zu tragen. Darauf deuten auch die Reste von niederländischer Fayence hin, die sich im gleichen Umfeld fanden“, schwärmt Mahler.

Gefunden wurden die Glasscherben in einer Kloake. Diese sorgfältig aus Backsteinen geschichtete Entsorgungsanlage gehört ohne Zweifel zu den interessantesten Funden der aktuellen Grabungen in Uelzens Altstadt. Eine solche Anlage in dieser Bauweise wurde in Uelzen zum ersten Mal dokumentiert. In vergleichbarer Ausführung, weiß Archäologe Mahler, seien derartige Entsorgungsstätten vor allem aus Lüneburg und Lübeck bekannt.

Bislang einzigartig in Uelzen: Glasreste, die aus einem „besseren“ Haushalt des 16. Jahrhunderts stammen.

Die in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts datierbare Verfüllung enthielt zahllose organische Funde, die wichtige Einblicke in die Ernährungsweise und die Lebensgewohnheiten im Uelzen des Reformationszeitalters erlauben. Dazu gehören Obstkerne, Nüsse, Eierschalen, Geflügelknochen und Fischgräten sowie eine Vielzahl von Pflanzensamen, die nun sämtlich näher bestimmt werden müssen. Auch die Überreste von Schadinsekten geben ungewohnte Einblicke in den nicht immer romantischen Lebensalltag. Mahler: „Erstmals in Uelzen konnten hier auch Textilreste geborgen werden.“ So wurden Überbleibsel eines feinen Leinengewebes gefunden, das nach seiner Restaurierung gleichfalls noch einer näheren Bestimmung harrt.

Bei den Gläsern lassen sich unter mehreren hundert Scherben mindestens sechs verschiedene Gefäßtypen erkennen. Dazu kommen die Reste von Gefäßen mit Emaillemalerei und Spruchverzierungen. Seiner Herstellungsqualität nach ist das fast farblos-klare Glas für seine Zeit keine „Ware von der Stange“, so Mahler, sondern verkörperte wohl die obersten Ränge in der damaligen Qualitätsskala.

Bevor die Gläser für die Uelzener Bevölkerung ausgestellt werden können, gibt es für die Archäologie aber noch einige Probleme zu lösen: Zwar verdienen sie schon ihrer Qualität nach eine vollständige Restaurierung, die Kosten für die entsprechende Spezialwerkstatt in Nordrhein-Westfalen müssen aber noch eingeworben werden. Bis dahin lagern die aufsehenerregenden und in der Restaurierung anspruchsvollen Funde gut gekühlt, feucht und dunkel.

Von Ines Bräutigam

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