Gesucht und gefunden / Neuer Kurs

Seniorenbegleitung in Uelzen: Eine Bereicherung für beide Seiten

Gemeinsam lachen und Zeit verbringen: Elke Becker (l.) und Renate Barthel sitzen im Sommer gern zusammen in der Eisdiele.
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Gemeinsam lachen und Zeit verbringen: Elke Becker (l.) und Renate Barthel sitzen im Sommer gern zusammen in der Eisdiele.

Uelzen – Renate Barthel und Elke Becker haben sich gesucht und gefunden. Wer den beiden auf dem Uelzener Vitalmarkt, in der Eisdiele oder beim Arzt begegnet, hält sie mit großer Wahrscheinlichkeit für Mutter und Tochter.

Dabei verbindet das Duo weder ein verwandtschaftliches noch ein Beschäftigungsverhältnis. Becker hat sich zur ehrenamtlichen Seniorenbegleiterin ausbilden lassen. Sie verschenkt ihre Zeit an Barthel – und umgekehrt.

Kennengelernt haben sich die beiden Uelzenerinnen über Sonja Haß vom Seniorenservicebüro Uelzen, das in Kooperation mit der Evangelischen Familien-Bildungsstätte den kostenlosen Kurs für Seniorenbegleiter anbietet. In dem Kurs werden die Teilnehmer auf Alltagssituationen mit den Senioren vorbereitet. Themen sind unter anderem Alterseinschränkungen, Mobilität und Umgangsweise mit älteren Menschen. Auch in puncto Pflegebedürftigkeit, Alterserkrankungen und Erste Hilfe werden die Ehrenamtlichen geschult. Dabei werden sie jedoch ausdrücklich nicht zur Haushaltshilfe oder für pflegerische Tätigkeiten ausgebildet. Vielmehr geht es darum, ihnen Gesellschaft zu leisten.

„Man kann in Uelzen wirklich gut alt werden. Auch diejenigen, die wenig Geld haben. Hier braucht niemand einsam zu sein“, ist die 85-jährige Barthel überzeugt. Eigentlich war die ehemalige Seniorenbeauftragte mit ihrem Leben zufrieden. Aber es fehlte das i-Tüpfelchen. Das Angebot der Seniorenbegleitung, in ihrem Fall Elke Becker, fördere „kolossal“ ihre Lebensqualität. Für ihre drei Kinder, die nicht in Uelzen leben, sei das auch beruhigend.

Das Seniorenservicebüro kann aktuell ziemlich schnell einen Seniorenbegleiter vermitteln, wie Haß betont. „Bei mir könnten sich ruhig mehr Senioren melden“, sagt sie. Warum nicht viel mehr Senioren das Angebot nutzen? Barthel vermutet, dass viele eine Hemmschwelle haben: „Viele trauen sich nicht, nach Unterstützung zu fragen. Es gibt leider einen Beweisdruck bis ins hohe Alter. ‚Ich komm ja noch klar‘, denken sich viele. Dabei ist das doch kein Zeichen von Schwäche!“

Ihre Begleiterin Elke Becker ist 20 Jahre jünger als sie. Nach dem Eintritt in den Ruhestand war sie ein Jahr zu Hause. „Ich hatte plötzlich nichts mehr um die Ohren, mir fehlte eine Aufgabe. Also habe ich mir ein Ehrenamt gesucht“, erklärt die Uelzenerin. Das Seniorenservicebüro vermittelte sie nach dem Kurs an Renate Barthel – nicht ohne vorher genau zu überlegen, ob die beiden zusammenpassen könnten. Ihre Treffen mit Barthel beschreibt Becker als Bereicherung. Sie bewundere ihre Lebenserfahrung, höre sich gern ihre Gedichte an. Demnächst machen die beiden sogar zusammen mit Elke Beckers Mann Urlaub auf Helgoland. „Wir sind natürlich kein Maßstab, so etwas muss wachsen“, weiß Barthel.

VON SOPHIE BORM

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