Einsamkeit ade!

Senioren-WGs, Fitness für Körper und Geist: So sieht die Altenpflege beim DRK Uelzen heute aus

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Herta Klytta (hinten) kocht für ihre Mitbewohner. Zu siebt bilden die Senioren eine Wohngemeinschaft, die es seit einem Jahr beim DRK an der Ripdorfer Straße gibt.

Uelzen. Der Geruch von Sauerkraut und Breslauer Wurst weht durch den Flur. Das Mittagessen köchelt auf dem Herd vor sich hin. Herta Klytta verteilt Birnen für den Nachtisch in sieben kleine Schälchen.

Denn mit 93 Jahren lebt sie in einer Wohngemeinschaft (WG). Und wenn sie kocht, dann auch für ihre sechs Mitbewohner.

Die Rentner bewohnen eine von drei Senioren-WGs, die es seit einem Jahr im DRK-Dorf an der Ripdorfer Straße gibt. In einer leben Menschen, die intensiv pflegebedürftig sind. Die anderen beiden sind für Senioren wie Herta Klytta, die ihren Alltag noch zu großen Teilen selbstständig meistern können. Die älteste Bewohnerin ist 99 Jahre alt.

Eine Wohnanlage für Senioren gibt es an der Ripdorfer Straße schon seit 25 Jahren. „Wir wollen aber nicht nur Wohnungen bereitstellen. Wir sind ja keine Immobilienfirma“, sagt Rüdiger Schlechter, Bereichsleiter Altenpflege. Darum hat das DRK vor fünf Jahren den ambulanten Pflegedienst installiert.

Doch was, wenn das nicht mehr ausreicht, wenn ein Senior irgendwann stationär versorgt werden muss? „Dann muss er ausziehen? Nein!“, erklärt Schlechter, warum das DRK die Senioren-WGs eingerichtet hat. Und das Angebot passt offenbar genau zu den heutigen Bedürfnissen älterer Menschen: „Die Plätze waren alle innerhalb kürzester Zeit weg.“

Was für Studenten eine normale Wohnform ist, daran mussten sich die älteren Herrschaften anfangs erst gewöhnen. „Jeder hatte sein eigenes Geschirr oder eine eigene Waschmaschine“, erzählt Lena Köllner, Projektleiterin Quartiersmanagement. Das mit anderen zu teilen, sei zuerst eine Umstellung gewesen. Doch die anfängliche Skepsis sei schnell verflogen. „Sie treffen untereinander Vereinbarungen und entscheiden in der Gruppe“, berichtet Schlechter.

Auch in der Tagespflege wird es nie langweilig: Sie Senioren spielen nach dem Frühstück eine Runde Sitz-Fußball.

So kaufen sie für die WG ein, teilen das Putzen auf und kochen füreinander. Ist die Hilfe gewünscht, werden sie von den DRK-Mitarbeitern unterstützt. Aber: „Was über allem steht, ist die Möglichkeit, so lange wie möglich alleine zu leben“, weiß Schlechter. Denn die betagten Bewohner würden viel Wert auf Selbstbestimmung leben.

Der schöne Nebeneffekt am WG-Leben: Die Senioren sind nicht einsam. „Wir erleben häufig, dass ältere Menschen in Single-Haushalten vereinsamen. Das ist hier nicht so“, erzählt Schlechter. „Sie unternehmen viel zusammen, machen Ausflüge am Wochenende.“ Von den Angehörigen kämen durchweg positive Rückmeldungen: Die Senioren seien offener, fröhlicher und hätten einfach eine andere Lebensqualität.

Damit sie so lange wie möglich körperlich und geistig fit bleiben, hat das DRK ein buntes Angebot an Aktivitäten geschaffen, dass ständig erweitert wird. „Wir wollen keine Insellösung“, erklärt Schlechter. Vielmehr sollen die Senioren in das tägliche Leben in Stadt und Landkreis integriert werden. Ein Projekt ist „Uelzen in Bewegung“ – eine Kooperation mit dem Kreissportbund, wo sich Pflegebedürftige regelmäßig mit anderen Senioren in der Stadt treffen, um sich körperlich, ihrem Alter entsprechend, zu bewegen. Begleitet werden sie von DRK-Mitarbeitern.

Geplant sind auch monatliche Besuche bei lokalen Akteuren, wie dem Pastor in der Kirche. Und gerade hat die Polizei Jugendliche zum Thema Sicherheit im Internet in der DRK-Tagespflege informiert. „Wir wollen bewusst diesen Kontakt zwischen den Generationen“, erklärt Schlechter.

Doch auch sonst ist im DRK-Dorf immer etwas los. So spielen die Senioren in der Tagespflege nach einem gemeinsamen Frühstück im Sitzen Fußball. Überall lachende Gesichter, sie haben offensichtlich großen Spaß.

An der Wand im Flur der Tagespflege klebt ein Spruch: Du kannst dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. An der Ripdorfer Straße ist es nicht nur ein Spruch, sondern das Lebensmotto.

Sandra Hackenberg

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