Er verlässt seine Leisten

Selbstständiger Schuster-Meister Theo Gläser schließt Uelzener Geschäft

Theo Gläser mit seiner Hündin Zula, die meist im Geschäft an der Rademacherstraße dabei ist und Kunden begrüßt.
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Theo Gläser mit seiner Hündin Zula, die meist im Geschäft an der Rademacherstraße dabei ist und Kunden begrüßt.

Uelzen – Große Handelsketten erschweren die Arbeit von selbstständig Tätigen, die im Landkreis Uelzen ein Geschäft betreiben. Eine Branche mit großer Tradition in der Uhlenköperstadt stirbt in Kürze aus.

Theo Gläser, Inhaber des Orthopädie- und Schuhmacher-Meisterbetriebs an der Rademacherstraße 13 in Uelzen, hat am 20. Dezember seinen letzten Arbeitstag am Schnellenmarkt. Er betreibt den letzten selbstständigen Schuhmacher-Meisterbetrieb im Landkreis Uelzen.

„Ich habe keinen Nachfolger gefunden“, nennt der 70-Jährige den entscheidenden Grund, warum sein Geschäft schließt. Sein langjähriger Mitarbeiter Michael Greibaum werde sicher einen neuen Job finden. Schließlich herrsche auch bei den Schuhmachern Fachkräftemangel. Gläser ärgert sich über Dinge, die ihm die Arbeit erschweren. „Die Auflagen werden immer strenger. Wir müssten das Geschäft mit einem behindertengerechten Eingang und einer Toilette für Behinderte erweitern“, sagt der Uelzener und ergänzt: „Wir müssten Qualitätsmanagement betreiben und alles dokumentieren. Man kommt kaum noch zum eigentlichen Arbeiten. Oft sitze ich daher am Wochenende am Schreibtisch. Der Papierkram nimmt weiter zu.“

Gläser hatte das Geschäft seines Vaters am 15. Oktober 1984 nach einem Brand wiedereröffnet und es mehr als 35 Jahre betrieben. Seine Familie stammte aus Leipzig, kam 1949 nach Stederdorf und 1951 nach Uelzen. Sein Vater hatte zunächst vier Werkstätten in der Hansestadt und zentralisierte sie 1964 schließlich im Geschäft an der Rademacherstraße.

Uelzen war traditionell stark geprägt von Schuhmachern. „In den 1950er Jahren gab es noch 50 Mitglieder der Innung“, so Gläser In der hiesigen Innung der Schuhmacher-Meisterbetriebe war Gläser in den vergangenen Jahren das einzig verbliebene Mitglied, sodass er die Innung schloss. Seine Gesellenjahre verbrachte er in München, wo er auch die Meisterprüfung als Schuhmacher und Orthopädie-Schuhtechniker ablegte. Hauptsächliche Einnahmen seien Einlagenverarbeitung und Schuhreparaturen. Das Gebäude an der Rademacherstraße gehört Gläser. Was aus den Geschäftsräumen wird, stehe noch nicht fest. Vermutlich werden sie vermietet.

„Ich möchte noch was anderes vom Leben haben und freue mich auf den nächsten Schritt“, sagt der verheiratete Gläser, der eine 14 Jahre alte Tochter und einen 16 Jahre alter Sohn hat. Er wohnt mit seiner Familie in Uelzen, der Garten liegt an der Ilmenau. Dort wird die altdeutsche Schäferhündin Zula dann künftig auch mehr Zeit verbringen. Langweilig werde es Gläser im Ruhestand nicht, sagt er. Er bleibe im Vorstand des Verkehrsvereins und Gründungsmitglied der Ehemaligen des Herzog-Ernst-Gymnasiums. Künftig möchte Theo Gläser mehr verreisen und wandern. Gerne denkt der Schuhmachermeister an einen Spruch seines Vaters: „Raucht und trinkt nicht, sondern schaut Euch die Welt an!“

VON TIMO HÖLSCHER

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