Bauernverband betreibt Analyse der wachsenden Skepsis gegenüber Landwirten

Selbstkritik und Offenheit

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Transparenz und Offenheit auch beim Umgang mit eigenen Fehlern sind laut Jörn Ehlers wichtige Mittel, um die Glaubwürdigkeit der Landwirte zu verbessern. 

Uelzen/Landkreis. Die konventionelle Landwirtschaft sieht sich in den vergangenen Jahren im Angesicht der Diskussionen um Glyphosat oder der Tierhaltung mit einer wachsenden Skepsis der Gesellschaft konfrontiert.

Doch wie kann der einzelne Landwirt und auch der Bauernverband darauf reagieren und wieder Vertrauen schaffen? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt der Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen Jörn Ehlers auf der Kreisversammlung des Bauernverbandes Nordostniedersachsen.

„Der Umgang mit den Landwirten grenzt inzwischen an ganzjähriger Karnevalssatire“, sagt Ehlers. So gebe es inzwischen eine von einem Grünen-Ortsverband herausgegebene App, in der anonym Bilder von angeblichen und wirklichen Verstößen von Landwirten im Internet hochgeladen werden können. Dort werde man öffentlich an den Pranger gestellt.

Bei aller Polemik von Seiten der Kritiker müsse man aber die Kritik auch ernst nehmen und dürfe sich nicht in die eigene Blase zurückziehen. „Wir müssen auf Kritiker zugehen und das Gespräch mit ihnen suchen“, sagt Ehlers. Es sei wichtig, sich mit Umwelt- und Tierschutzverbänden oder auch den Grünen zusammenzusetzen. Dazu gehöre dann auch offen über gemachte Fehler zu reden, nur so könne man Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit erlangen.

Insgesamt wird Landwirten laut Ehlers immer noch ein großes Vertrauen entgegengebracht. Viele Debatten seien inzwischen aber hoch emotionalisiert wie etwa das Thema Glyphosat. Die wissenschaftliche Expertise werde dann gar nicht mehr gesehen. Dort sei die Diskussion inzwischen derart geladen, dass Landwirte bedroht werden. Hier helfe in der Diskussion vor allem Offenheit aber auch die Fähigkeit zur Selbstkritik. „Glyphosat hat auch Schattenseiten, da müssen wir selbstkritisch sein und überlegen, ob es überall sinnvoll ist, es einzusetzen“, sagt Ehlers.

Thorsten Riggert.

„Wir werden wöchentlich ans Brett genagelt“, sagt Kreislandwirt Thorsten Riggert. Einen offenen Umgang mit Fehlern und Transparenz sieht auch er als wichtiges Instrument an, um der wachsenden Skepsis der Gesellschaft zu begegnen. So sei es wichtig, Schulklassen und andere Interessierte auf die Höfe einzuladen, damit sie sich selbst ein Bild vor Ort machen können. Denn ein Großteil der Bevölkerung habe gar keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft.

Das sieht auch Ehlers so. Man müsse den Leuten auch bei kontroversen Themen offen gegenüber treten, etwa beim Kupieren der Schwänze von Ferkeln. „Wir brauchen kontroverse Diskussionen, das bringt die Akzeptanz“, sagt Ehlers.

Von Lars Lohmann

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