Das Wort zum Sonntag

Seht ihr den Mond dort stehen?

In Suhlendorf ist es am Sonntag um 10. 18 Uhr und in Wriedel um 10. 20 Uhr soweit: Der Mond geht auf. In vielen Gemeinden gerade zur Zeit des Gottesdienstes. Wir könnten also „Der Mond ist aufgegangen“ singen und dem 200. Todestag von Matthias Claudius am vergangen Mittwoch gedenken.

Aus seiner Feder stammt auch „Wir pflügen und wir streuen“.

Matthias Claudius wurde 1740 in Reinfeld bei Lübeck geboren. Nach der Lateinschule studierte er in Jena ein Jahr lang Theologie, danach zog es ihn in die Rechts- und Verwaltungswissenschaft. Er hatte eine Reihe von Anstellungen im Staatsdienst. Bekannt wurde er aber auf ganz anderer Ebene: als Redakteur des „Wandsbecker Bothen“ (1771-75). Die Zeitung hatte lediglich vier Druckseiten. Drei waren dem politischen Geschehen in Europa gewidmet. Die von Claudius gestaltete Seite enthielt „gelehrte Sachen“: Gedichte, fiktive Briefwechsel oder Gastbeiträge anderer Autoren.

Seine Werke erschienen in verschiedenen Zeitschriften. 1775 begann er, eine mehrbändige Textsammlung zu veröffentlichen. In unregelmäßigen Abständen folgten weitere Bände, der letzte 1812.

Selbstverständlich war er ein Kind seiner Zeit. Er setzte sich mit der Aufklärung auseinander. Am Glauben ist ihm ein innerer Zugang zu Gott wichtig gewesen. Als Reaktion auf den Rationalismus finden sich bei ihm Verse wie

Wie wird es dann, o dann uns sein,

Wenn wir der bessern Welt uns freun?

Auf der anderen Seite hat er sich deutlich vom Krieg distanziert, so in seinem „Kriegslied“ von 1778:

Was hülf mir Kron’ und Land und Gold und Ehre?

Die könnten mich nicht freun!

‘s ist leider Krieg – und ich begehre

Nicht schuld daran zu sein!

Gestorben ist er in Hamburg am 21. Januar 1815. Selbstverständlich: Die Zeit, in der er lebte, war eine ganz andere als die heutige. Aber mehr als genug Anknüpfungspunkte finden wir trotzdem. In einer Zeit der Abschottung Europas können wir Christen darauf bestehen, dass es sich bei allen Menschen auf der Welt um unsere Brüder und Schwestern handelt. Über allen scheint der gleiche Mond. Wir können uns an Claudius’ Gedicht erfreuen und das Stille und Innerliche suchen. Und gleichzeitig aus diesem Glauben heraus für unsere Welt handeln. Der Mond hat seine Zeit. Um 23.48 Uhr geht er heute in Bad Bodenteich unter. Unser Auftrag, uns für die Welt und ihre Menschen einzusetzen, bleibt jedoch.

Lars Neumann ist Pastor der Ev.-luth. Kirchengemeinden Bad Bodenteich.

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