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Gerettete Ortskraft aus Afghanistan hofft auf eigene Wohnung in Uelzen

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Von: Lars Becker

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Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hatte die Bundeswehr eine Luftbrücke zur Evakuierung von Deutschen und Afghanen eingerichtet. foto: dpa
Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hatte die Bundeswehr eine Luftbrücke zur Evakuierung von Deutschen und Afghanen eingerichtet. © Privat

Darf man sich dieser Tage angesichts des Krieges in der Ukraine und der Flüchtlingswelle mit einem anderen Anliegen an die Öffentlichkeit wenden, das die Suche nach Wohnraum betrifft? Diese Frage hat sich Ursula Schnewitz lange gestellt und immer wieder gezögert, die AZ zu kontaktieren.

Uelzen – Dann aber fasste sie doch ihren Mut zusammen, um auf das Schicksal einer Familie aus Afghanistan aufmerksam zu machen, das sie sehr bewegt.

Wer will es ihr verdenken? Seit der Flüchtlingskrise 2015 engagiert sie sich mit Leib und Seele für Menschen, die in Deutschland Schutz vor der Terrororganisation Islamischer Staat oder den Taliban gesucht haben. Bis 2019 betreute sie schon eine Familie, seither kümmert sie sich um Ferdaws Farzam, dessen Frau und zwei Kinder. Er kam bereits 2013 nach Uelzen, die Familie zwei Jahre später. Ursula Schnewitz half ihnen bei der Wohnungssuche, heute geht sie den Kindern bei den Schulaufgaben zur Hand.

Seit drei Jahren leben die Farzams nun schon in der Friedrich-Ebert-Straße. „Und ich sage ihnen: Besser kann man nicht integriert sein“, betont Ursula Schnewitz. Beide Elternteile sind berufstätig, sprechen sehr gut die deutsche Sprache, die Kinder gehen zur Schule.

Ursula Schnewitz aus Uelzen
Ursula Schnewitz aus Uelzen © Privat

Seit einigen Wochen nun hat die vierköpfige Familie mit ausdrücklicher Zustimmung des Vermieters selbst Verwandte aus Afghanistan aufgenommen: Mohamad Khalid mit seiner Frau und fünf Kindern. Khalid hat in seinem Heimatland seit 2011 als sogenannte Ortskraft für ein internatioanles Infrastrukturprojekt im Norden des Landes gearbeitet. Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 wurden und werden auch ehemalige Ortskräfte ausgeflogen.

Mohamad Khalid und seine Familie gehörten dazu – sie kamen am 10. Januar aus der pakistanischen Hauptstadt Islamabad in Leipzig an. Dort bekamen sie zwar eine Wohnung, erklärten aber früh, weiter nach Uelzen zu wollen. Hier kennen sie Familie Farzam, zudem lebt eine Cousine in Hamburg. „Die Behörden haben akzeptiert, dass wir nach Uelzen wollten“, sagt Mohamad Khalid im perfekten Englisch. Für ein Foto ist er dann aber doch zu schüchtern. Die Eltern zogen mit ihren zwei Jungen – sechs und sieben Jahre alt – sowie drei älteren Mädchen (12/14/15) bei den Farzams ein. Elf Personen – auf Dauer geht das natürlich nicht.

„Wir hoffen, dass uns jemand hilft, eine Wohnung mit vier oder fünf Zimmern zu finden, auch wenn das viel verlangt ist. ich habe auch schon Arbeit“, berichtet Mohamad Khalid, der bereits kurz nach seiner Ankunft in Uelzen auf die Suche ging – und in einem Imbiss-Betrieb fündig wurde. Jeden Tag von 18 bis 22 Uhr geht er dort einem Mini-Job nach.

Er will schnell sein Deutsch perfektionieren, sich beruflich weiterbilden und den Kindern ein Studium ermöglichen. Uelzen soll der neue, sichere Hafen werden. „Weil die Familie nicht über ein Auto verfügt, müsste die Wohnung so liegen, dass die Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Grundschule und Busverbindung zur weiterführenden Schule passt“, sagt Ursula Schnewitz. Sie sagt: „Hoffentlich haben wir überhaupt eine Chance, das wäre so toll!“

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