Neue Studie: Wirtschaftslage der hiesigen Region ermöglichst erst Fördergelder

Der Segen der Schwäche

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Vom Uelzener Hafen hängen viele heimische Unternehmen ab. Sie haben weiterhin gute Chancen auf staatliche Fördermittel, weil die Arbeitsmarktregion Uelzen/Lüchow-Dannenberg in einer aktuellen Untersuchung als besonders strukturschwach bewertet wird.

Uelzen/Landkreis. Was hat die Arbeitsmarktregion Uelzen/Lüchow-Dannenberg mit Gelsenkirchen, Hagen und Bremerhaven gemeinsam? Die Antwort: Ebenso wie diese drei Städte gehört sie zu den 17 strukturschwächsten Regionen in Westdeutschland.

Das geht aus einer aktuellen Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervor, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt wurde.

Dabei untersuchten die Forscher bundesweit 258 Arbeitsmarktregionen. Kriterien waren die Erwerbslosenquote, das Durchschnittseinkommen, die Infrastruktur und die Beschäftigungsentwicklung. Auf diese Weise wurden förderbedürftige Regionen ermittelt, in denen Unternehmen sowie gewerbliche und touristische Infrastrukturprojekte mit öffentlichen Mitteln bedacht werden können.

Das Ergebnis der Analyse ist ernüchternd: Die Arbeitsmarktregion Uelzen/Lüchow-Dannenberg belegt im Ranking den 52. Platz – nur 51 Regionen sind noch strukturschwächer. Negativer Spitzenreiter ist der Kreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt, am strukturstärksten wird das fränkische Erlangen bewertet. Einige ostdeutsche Regionen stehen sogar besser da als die Region Uelzen/Lüchow-Dannenberg. Diese rangiert auch unter den 17 förderbedürftigen westdeutschen Regionen weit hinten – nur Flensburg, Goslar und Osterode schneiden schlechter ab.

Zur Vorsicht bei der Interpretation des Rankings rät hingegen Marlis Kämpfer, Leiterin der Wirtschaftsförderung „Uelzen aktiv“. „Die Ergebnisse beziehen sich nicht allein auf unseren Landkreis, sondern auf die Arbeitsmarktregion Uelzen/Lüchow-Dannenberg“, betont sie. Dabei drücke der deutlich strukturschwächere Nachbarkreis das Gesamtergebnis nach unten. Isoliert betrachtet würde der Kreis Uelzen im bundesweiten Vergleich besser dastehen.

Das sei „Fluch und Segen zugleich“, erklärt Kämpfer. Denn nur wegen der mageren Zahlen komme die hiesige Region überhaupt in den Genuss so genannter GRW-Mittel, also Gelder aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsförderung“. Diese Mittel können zum Beispiel Unternehmen beantragen, die mindestens 15 Prozent zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und 50 Prozent oder mehr ihres Umsatzes außerhalb eines 50-Kilometer-Radius erzielen.

„Die Aussicht auf Fördermittel wiegt mehr als der negative Image-Effekt durch das Ranking“, sagt Kämpfer. Über das GRW-Programm seien in den vergangenen Jahren hohe Summen in die hiesige Region geflossen. Auch wenn in der neuen Förderperiode ab 2014 aufgrund neuer EU-Vorgaben weniger Mittel zu erwarten seien, würden viele heimische Unternehmen von den GRW-Zuschüssen profitieren, freut sich Kämpfer.

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