Land greift durch gegen allzu aufdringliche Tiere vom Truppenübungsplatz / Entschädigungen für Tierrisse werden teuer

Von der Schwierigkeit, den Wolf zu treffen

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Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz hat in Amelinghausen angekündigt, dass Wölfe mit Gummigeschossen vergrämt werden sollen. Allerdings ist es nicht leicht, Isegrim zu erwischen, betont Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk.

Amelinghausen. Die Umwelt-Staatssekretärin kam spät. Lange fühlten sich die Bürgermeister im Revier des Wolfsrudels vom Truppenübungsplatz Munster von der Landesregierung allein gelassen.

Ortsbürgermeister Norbert Thiemann berichtete Allmuth Kottwitz beim Pressetermin am Donnerstag im Amelinghäuser Rathaus vom Alltag im Wolfsrevier, von Isegrim, der am hellichten Tag mitten durch den kleinen Ortsteil Ehlbeck spaziert.

„Ich führe zahlreiche, fast tägliche Gespräche zum Wolf“, sagte das Gemeindeoberhaupt. „Der Wolf verhält sich anders, als alle vorausgesagt haben.“ Viele Bürger wissen nicht, an wen sie ihre Sichtungen und Erlebnisse melden sollen. „Es muss eine Nummer in Niedersachsen geben, die Tag und Nacht besetzt ist“, bestätigt die Staatssekretärin. Bis dahin rät Almut Kottwitz: „Ich sag’ immer, rufen Sie die Polizei an.“ Eine Internetplattform mit allen Informationen zum Wolf schaltet die Landesregierung nächste Woche frei.

Der Kuschelkurs mit Isegrim ist jedenfalls vorbei. Wölfe, die keine Distanz zum Menschen halten, sollen das zu spüren bekommen. Ein schwedischer Experte soll einzelne Tiere mit Gummigeschossen beschießen (AZ berichtete). Vergrämen lautet der Fachbegriff. Gemeint ist, dass der Wolf wieder mehr Abstand von Siedlungen und Spaziergängern hält.

„Er hat einen unheimlichen Schmerz und merkt: Mit dem Menschen ist schwer umzugehen“, erklärte Almut Kottwitz das Prinzip, das in Schweden erprobte Praxis ist. Bis dahin allerdings kann noch einige Zeit vergehen – nicht nur, weil zunächst zwei Raubtiere betäubt und mit einem Sender versehen werden sollen. „Das kann dauern“, ahnt die Staatssekretärin. Und Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk ergänzt, dass sich der Schütze seinem Ziel bis auf 30 Meter nähern muss.

Solange seien ihr die Hände gebunden, sagt die Staatssekretärin. Wer Bedenken habe, könne beim Pilzesammeln Pfefferspray einstecken. Der Schutz des Menschen steht an allererster Stelle, betonte Kottwitz: „Wenn Gefahr besteht, kann man eine finale Entnahme durchführen.“ Mit anderen Worten: Wird ein Wolf wirklich gefährlich, ist es möglich, ihn zu töten.

Konsequenzen zieht die rot-grüne Landesregierung auch aus der Kritik an langen Entschädigungsfristen für Wolfsrisse. Zukünftig sollen die Kreisveterinäre innerhalb von zehn Tagen entscheiden, ob der Wolf zugeschlagen hat, sodass zügig Entschädigungen fließen können. Allerdings schwant es der Staatssekretärin, dass dies teuer werden kann. Der Topf für die freiwilligen Entschädigungszahlungen wurde auf 200 000 bis 300 000 Euro erhöht.

Zu wenig, glaubt Götz George, Besitzer des jüngst bei Bispingen gerissenen Fohlens. „Wir haben Pferde auf dem Hof stehen, da ist eins so viel wert.“ Die Zahlungen sind auf 5000 Euro pro Tier begrenzt, bei teuren Tieren verweist das Ministerium auf die Versicherung des Tierhalters. Für Georges Fohlen, Nachkomme eines zweifachen Weltmeisters, gibt es Geld vom Land, kündigte Kottwitz an.

Die Entschädigungszahlungen werden in dem in Hannover geschaffenen Wolfsbüro gebündet. Alle Sichtungen prüft ab sofort eine Biologin der Landesjägerschaft, die von Lüneburg aus schnell vor Ort ist. Die Stelle ist zunächst auf zwei Monate befristet.

Von Gerhard Sternitzke

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