Schützenvereine bangen um Königsposten / Gründe: Kosten und Überalterung

Schwere Bürde Königswürde

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Antreten für den König: Nicht bei allen Vereinen fällt das so leicht wie den Uelzener Schützen (im Bild).

Landkreis Uelzen. Nachdem schon Veerßen in diesem Frühjahr verkünden musste, dass niemand auf die Königsscheibe schießen wollte, hat auch Emmendorf nun dasselbe Problem: die Vereine stehen ohne ihre Majestät da.

Gründe dafür seien unter anderem die für den König teuren Veranstaltungen.

Konkrete Argumente zu finden, warum die Begeisterung für den Königsposten abnimmt, sei schwer, sagt Friedrich Wollbrandt, Präsident des Kreisschützenverbandes. Er vermutet den Grund aber „in der finanziellen Seite: das, was man bezahlen muss oder soll“. Die Kosten könnten sich durchaus auch auf fünf- bis sechstausend Euro belaufen. Manche Vereine hätten umgestellt und übernehmen viele Kosten.

Dass ausgerechnet jetzt das Königssterben zu beginnen scheint, erklärt Wollbrandt auch mit knapperen Gehältern. Zwar habe man auch früher nicht im Geld geschwommen, „aber die Ansprüche waren damals auch geringer“, meint er. Zudem mache sich der demografische Wandel bei den Schützen bemerkbar. Und wer von der Rente lebt, gehe ungern das finanzielle Risiko Königswürde ein.

Um das Problem zu lösen, sollten manche Vereine ihre Traditionen überdenken. Es gebe „Prozedere, das sich über die Jahrzehnte angesammelt hat“ – und oft Geld koste. Aber es gibt für den König meist Hilfe vom Verein. Als gutes Beispiel nennt Wollbrandt die Schützengilde Uelzen, die nahezu alle Kosten für den König übernehme.

Offenbar hilft das: 48 Leute haben bei der Uelzener Gilde in diesem Jahr auf die Scheibe geschossen, sagt Erwin Reitenbach, Pressesprecher der Uelzener. Es gibt eine Regelung, dass die Ausgaben für die Pflichtveranstaltungen des Königs nicht die Zuschüsse übersteige, die der Verein für den Regenten bereit hält. Wer mag, kann über die Pflichtveranstaltungen hinaus etwa Freunde bei Veranstaltungen einladen, das muss er dann aber auf eigene Rechnung tun. Zu den Pflichten gehöre neben der Verköstigung bei Veranstaltungen auch etwa, sich königliche Insignien zuzulegen: eine Königsscheibe (handgeschnitzt bis zu 800 Euro) oder Orden (selbstgestaltet ebenfalls mehrere Hundert Euro).

Einige Tausender, schätzt etwa Erwin Reitenbach, koste das Amt den König in manchen Orten. „Niedrige fünfstellige Summen soll es im Kreis geben“, sagt er. Das heißt: Mindestens 10 000 Euro Kosten für ein Jahr Majestät. Wie Wollbrandt beklagt auch Reitenbach die oft überalterte Schützenstruktur.

Das Thema der schwindenden Könige soll auch ein Thema sein bei einem kommenden Treffen aller Vereine im Kreis, das am 17. Juli stattfinden wird.

Von Kai Hasse

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