Hohes Fieber – schneller Tod

Schweinepest kommt näher: Landkreis Uelzen übt jährlich Bekämpfung von Tierseuchen

Auch wenn die drei Gesellen putzig dreinschauen: Wildschweine übertragen die für den Menschen ungefährliche Afrikanische Schweinepest. Der Landkreis probt jährlich den Ausbruch von Tierseuchen. Foto: dpa
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Auch wenn die drei Gesellen putzig dreinschauen: Wildschweine übertragen die für den Menschen ungefährliche Afrikanische Schweinepest. Der Landkreis probt jährlich den Ausbruch von Tierseuchen. Foto: dpa

Uelzen/Landkreis – Die Erkrankung verläuft schnell und endet tödlich: Erkrankt ein Schwein an der Afrikanischen Schweinepest, zeigen sich nach vier Tagen schwere Symptome. Die Tiere leiden an hohem Fieber, verweigern das Futter, wirken lethargisch und wollen nicht aufstehen.

Später kommen noch Durchfall und Blutungen hinzu.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist endgültig in Deutschland angekommen. Am Dienstag wurden fünf weitere Fälle der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Brandenburg festgestellt. Der Landkreis Uelzen sieht sich bei einem möglichen Ausbruch gut aufgestellt. Jährlich werde gemeinsam mit den Nachbarlandkreisen die Tierseuchenbekämpfung geübt. Neben dieser großen Übung gebe es quartalsweise auch kleinere Übungen für die Anwendung des Seuchenprogramms.

Proben toter Tiere an der Sammelstelle

Wird ein Kadaver gefunden sind die Jäger verpflichtet, Proben zu nehmen und an das Veterinäramt weiterzuleiten. Sollte der Landkreis von der Schweinepest betroffen sein, werden die toten Tiere in einer zentralen Stelle gesammelt und anschließend durch Tierärzte oder geschultes Personal untersucht.

Tot aufgefundene Schweine werden von speziell geschulten Bergungstrupps geborgen, die sich um die Desinfektion des Fundortes kümmern. Wird ASP bestätigt, werden gemäß der Schweinepest-Verordung Schutzzonen eingerichtet (optimal im Kerngebiet, gefährdeter Bezirk sowie eine Pufferzone). Dazu sei davon auszugehen, dass ein Jagdverbot mindestens in einem 15-Kilometer-Radius ausgesprochen werde, um zu verhindern, dass infiziertes Jagdwild flüchtet und die Pest weiter verbreitet.

Erhöhte Hygienemaßnahmen

Im Landkreis Uelzen sind nach Auskunft des Landkreises Uelzen derzeit 234 Schweinehalter gemeldet, davon 38 derzeit ohne Schweine. Sollte bei Hausschweinen die Schweinepest ausbrechen, würden die infizierten Schweine des Bestandes getötet und beseitigt. Um den betroffenen Bestand würden Schutzzonen eingerichtet. Der Sperrbezirk hat einen Radiums von mindestens drei, das Beobachtungsgebiet von mindestens zehn Kilometern. Alle Betriebe in beiden Schutzzonen unterliegen der behördlichen Beobachtung. In den Schutzzonen gelten erhöhte Hygienemaßnahmen. Schweine sind einzuzäunen, ein Auslauf ist nicht gestattet. Transportmittel und Ausrüstungsgegenstände sind zu reinigen und zu desinfizieren. Der Betrieb darf nur mit Schutzkleidung betreten werden und muss anschließend gereinigt und desinfiziert werden.

„Eine Katastrophe“ für Schweinezüchter

Für Kreislandwirt Thorsten Riggert bedeutet der Ausbruch der Schweinepest in Deutschland schlicht „eine Katastrophe“. Die deutschen Exporte von Schweinefleisch nach China und in andere Länder außerhalb der EU sind gestoppt worden. „Durch die Corona-Krise ist der Preis für Schweinefleisch um 20 Prozent zurückgegangen“, sagt Riggert. Er befürchtet, dass dieser nochmals um 20 Prozent nachgeben könnte. Im Moment kostet ein Kilo Schweinefleisch 1,25 Euro. „Für ein 30-Kilo-Ferkel bekommen sie beim Mäster nur noch 30 Euro. Die Situation kann einigen Schweinebauern die Existenz kosten.“

Auf die Frage, ob es denn nicht positiv sei, dass nun weniger Fleisch exportiert werde, erklärt Riggert: „Wir können in Deutschland nur 60 Prozent des Schweins verkaufen, weil die Verbraucher hier keine Schwänze, Pfötchen oder Ähnliches kaufen.“ Diese restlichen 40 Prozent des Tieres werden ins Ausland exportiert. „So können wir damit überhaupt noch etwas erzielen.“ Der Kreislandwirt ist der Meinung, dass sich die Afrikanische Schweinepest weiter in Deutschland ausbreiten werde. Ein Überspringen auf Bestände der professionellen Schweinebauern, die ihre überwiegend in Ställen halten, hält er dagegen für nur wenig wahrscheinlich: „Zu infizierten Wildschweinen haben diese Tiere keinen Kontakt.“ VON NICOLE LÜTKE

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